Kritik

Fremde Augen auf Österreichs wilde Sixties

Lexikon | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Warum nicht mal Kunst zeigen, die man selber wenig kennt? Diese Freiheit nahm sich der deutsche Kurator René Block, der im Kunstbetrieb schon sämtliche Rollen vom Kunsthändler und Museumsdirektor bis hin zum Verleger und Sammler gespielt hat. Das Essl Museum öffnete seine Sammlungslager für den 1942 geborenen Galerist von Künstlern wie Joseph Beuys oder Sigmar Polke, der sich anlässlich seiner jetzigen Schau "Eine kleine Machtmusik. Bericht aus dem Depot" mit der österreichischen Avantgarde der 60-Jahre beschäftigte. Block war stark mit den internationalen Fluxuskünstlern verbunden, die er in seiner Berliner Galerie und später auch in New York ausstellte. Mit dem Begriff "Machtmusik" spielt er auf die Verfügungsgewalt über Kunst an, die ihm sein Kuratorenstatus verleiht.

Die Schau ist nicht chronologisch gehängt, und ihr erster Raum bleibt recht sperrig, wenn Oswald Oberhubers gestisches Ölbild "Informell" von 1954 in unmittelbarer Nähe von Valie Exports Filmen zu sehen ist. Es wird eher eine Abfolge von Künstlerblöcken geboten, die durch Überschneidungen interessant werden. So treffen etwa Gemälde von Maria Lassnig aus 40 Jahren auf frühe Popbilder von Christian Ludwig Attersee. In einem Ölbild von 2006 imaginiert Attersee sogar "Eine Nacht mit Maria Lassnig". Lassnigs Weggefährten Arnulf Rainer wird viel Raum gewidmet, einsetzend mit den abstrakten "Vertikalgestaltungen" aus den 1950er-Jahren. Den größten Schwerpunkt bilden jedoch die Wiener Aktionisten.

Von Franz West zeigt Blocks Auswahl die Passstücke "Erich" und "Padhi" aus den 80er-Jahren, und auch das Skulpturentrio "Differential" von 2003 fügt sich perfekt in die Schau. Es erschließt sich jedoch kaum, wie Erwin Wurms Skulpturen "Fat Car" oder "Guggenheim melting" von 2005 in die Schau passen sollen. NS

Essl Museum, bis 18.8.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige