Neu im Kino

Räume des Wahnsinns: "The Conjuring"

Lexikon | Maya McKechneay | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Von "Saw"-Regisseur James Wan hätte man sich eine weitere Splatterorgie erwartet. Stattdessen überrascht der junge Australier in "The Conjuring" (deutscher Verleihtitel: "Die Heimsuchung") mit einem klassisch-unheimlichen Haunted-House-Film, der fast ohne CGI und Monsterauftritte auskommt.

Dafür passt die Besetzung: Eine entschlossene Lili Taylor als Familienmutter und Heldin im verzweifelten Kampf gegen das Böse, das ihr Haus besetzt hält. Und ihr professioneller Widerpart: Vera Farmiga als elegante Geisterjägerin, die trotz vergangener Traumata entschlossen in jeden dunklen Keller vordringt. Weil es ihr Job ist. Zwei starke Frauenfiguren, die nicht - wie im Genre sonst üblich - die eigene Kleinfamilie kitten müssen, um zu siegen.

Wie in jedem guten Spukhausfilm will auch hier das Gebäude Körper werden: Es ändert nach Belieben die Temperatur seiner Räume, fügt seinen Bewohnern blaue Flecken zu, sperrt sie ein oder lässt sie durch Böden brechen. Nachts pocht es an den Türen - wie ein rasender Herzschlag.

Dazu fliegt die Kamera von John Leonetti losgelöst durchs Stiegenhaus, dreht sich einmal um die eigene Achse, oben, unten, Wände, Böden: Diese Räume sind des Wahnsinns, so viel wird auch ohne großes Brimborium klar.

Liebevoll ist die Ausstattung des 1970er-Jahre-Geisterjagd-Settings:

analoge Kameras mit Infrarotsensoren, UV-Lampen, die Fußspuren sichtbar machen, oder Super-8-Projektoren - die, wir ahnen es, gegen die Mächte der Finsternis wenig ausrichten können.

Bereits im Kino (OF im Haydn)


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