Kritik

Hunde, die in Prada glänzen, beißen nicht

Lexikon | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Drei Hündchen begrüßen die Besucher der aktuellen Schau von Gabi Trinkaus. Fast wirkt es so, als würden die Lederskulpturen den Eingang zur Galerie Kargl bewachen. Die Reißverschlüsse und Riemen auf den Körpern dieser Wauwaus stammen von teuren Handtaschen, die die geborene Grazerin zerschnitten hat. Die Hündchen bestehen also aus den It-Bags, in denen sie von Damen gerne getragen werden.

An der Decke des Raums prangt eine der für Trinkaus typischen Collagen: Aus Modemagazinschnipseln produziert sie Porträts, die den Schönheiten in der Vogue ähneln. Bei dem großen Format und der spotlichthaften Beleuchtung der Wandarbeit wird hier aber beim besten Willen kein Bruch zum Glamourdiktat der Fashion-Industrie deutlich, auf den die Künstlerin laut Ausstellungstext zielt.

Im Souterrain geht es vorbei an ähnlichen Porträtbildern und weiter mit einer Collagenserie von unheimlichen Puppenköpfen, in denen Nadeln stecken. "Misstraue der Idylle", titelt die Installation aus zwei grinsenden Gnomen, die Trinkaus ebenfalls aus Leder gefertigt hat. Dieses Motto leitet über in den Hauptsaal, in dem auf den ersten Blick harmlose Landschaften samt Gebäuden die Wände zieren.

Die Ansichten von begrünten Einfamilienhäusern und Ferienbungalows wurden auf den Rückseiten von Toile-de-Jouy-Drucken geschaffen, und die friedlichen Hirtenszenen, die im Frankreich des 18. Jahrhunderts aufkamen, schimmern durch.

Aber Trinkaus hat in die Zeichnungscollagen bedrohliche Fragmente wie Heckenschützen oder Leichen eingebaut, die man sehr leicht übersieht. So lässt sich Gesellschaftskritik aushalten: an der Grenze zur Unkenntlichkeit, sodass sie erst der wissende Fingerzeig hervorholt. Pseudotiefsinn in schickem Look hat Konjunktur. NS

Georg Kargl Galerie, bis 14.8.


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