Go East!

Das Murton-Festival folgt der Mur Richtung Südosten und feiert den Balkan. Heuer zum zweiten Mal

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Wo fängt der Balkan an? Im ehemaligen Jugoslawien südlich der steirischen Mur oder im Grenzland von Slowenien, Kroatien und Ungarn, dort wo sich die Mur mit der Drau vereint? Oder beginnt er vielleicht doch bereits irgendwo im Südosten Österreichs?"Balkan" war hierzulande ja lange Zeit ein Kampfbegriff. Und zwar gegen etwas, das heute in Zeiten von Shabby Chic und Bukowina-Seligkeit total angesagt ist. Was das ist, versucht aktuell das Festival Murton herauszufinden.

Es folgt der Mur, um dem Sound des nachbarlichen Südostens nachzuspüren. Ob der "Balkan" längst Klischee ist oder doch auch kulturelle Realität, wird dabei eher nicht hinterfragt. Das Programm gibt trotzdem Antwort: In Graz wird er einfach beides sein. Und das garantiert eine feine Feier: zum Beispiel am Mariahilferplatz, wo sechs Abende lang Acts wie The Stimulators, Marius Neset's Birds, Mahala Rai Banda und Bauchklang ihre Balkan-Beats mit Gipsy Funk, Jazz, Blues und Reggae mischen. DJs von Tiefparterre bespielten das iKu, im Speisesaal des nahen Wiesler wird gegrillt.

"Literarisch-musikalische Grenzüberschreitung" verspricht "Cross Over Balkan", wo unter anderem die künftige Grazer Stadtschreiberin Ivana Sajko zu hören ist - mit Zwischentönen des Streicherduos Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann. Der steirische Dichter Alois Hergouth ist in seiner Liebe zu den slowenischen Weinbergen von Sladka Gora zu entdecken, diese begegnet dem Brasil-Jazz des Trios Styrian Songbook ("Salz des Meeres").

Der Murton-Poetry-Slam wird unter das Motto "Balkan Cup" gestellt. Und eine eigene Stadtführung versucht den Balkan in den Grazer Bezirken Lend und Gries aufzuspüren. Neu ist das "Balkan Screening": Das Open-Air-Kinoprogramm bietet vier prämierte Filme zum bzw. aus dem Balkan.

2013 wird außerdem der Augarten bespielt - und damit erstmals auch das linke Ufer. "Polka Remixed" lautet hier das Motto, zu hören sind die Jazzbanditen, Stelzhamma, Brosd Koal und Polkaholix. Und unter dem Titel "Mur ab-und aufwärts" trifft Murton am 21. August den Judenburger Sommer. Exportiert wird die Murton-Idee zudem nach Gabersdorf, wo u.a. Chris Shermer, Thommy Puch und Raphael Wressnig zu hören sind.

2012 hat das Festival seine Premiere erlebt, der Falter wünschte sich dazu, dass es den Veranstaltern gelinge, ihr Programm organisch mit der Gegend zusammenwachsen zu lassen. 2013 wird dafür eine Art Umweg gewählt. Ein charmanter.

Murton-Festival, 14.-24.8.


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