Neu im Kino

Geld regiert die Welt: "Die Möbius-Affäre"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 32/13 vom 07.08.2013

Die Sache mit der Möbiusschleife wird dem russischen Geheimagenten Moïse (Jean Dujardin) von den Amerikanern erklärt: Egal in welche Richtung man sich bewegt, bei dieser außergewöhnlichen Struktur landet man immer auf der anderen Seite. Zu diesem Zeitpunkt ist die Situation für Moïse jedoch schon so verfahren, dass ihm dieses Wissen auch nicht mehr hilft. Sein Auftrag ist es, belastendes Material über einen russischen Oligarchen Rostovski (Tim Roth) zu bekommen, weshalb er sich in Monaco mit der Finanzspekulantin Alice (Cécile de France) eingelassen hat, die in dessen Diensten steht und ihren Chef ans Messer liefern soll.

Es ist eine Aufmerksamkeit vor allem für Details, für die sich Autor und Regisseur Éric Rochant wiederholt Zeit nimmt und die "Die Möbius- Affäre" über das Genre hinaus beachtenswert macht.

Ein Zweikampf im Lift wird bis zum letzten Röcheln ausgetragen, während Agenten ihre Autoaschenbecher befüllen. Bereits vor knapp zehn Jahren hat Rochant mit "Staatsauftrag: Mord" einen soliden Geheimdienst-Thriller rund um einen Mossad-Agenten vorgelegt, anhand von "Die Möbius-Affäre" kann man gut beobachten, wie der Finanzkapitalismus als Nährboden des Verbrechens zwar der aktuellen Tendenz der Gattung geschuldet ist, Rochant im Grunde aber noch immer auf einen klassischen Krimiplot und auf eine ebenso klassische Inszenierung vertraut: Unsichtbare Geldflüsse im undurchschaubaren Finanzdickicht sind nur der Vorwand für Beschattungs- und Versteckspiele an der mondänen Côte d'Azur - und im Zentrum ein Liebespaar, das sich, je öfter der Gedanke an eine gemeinsame Flucht auftaucht, immer stärker im engmaschigen Netz seiner Hintermänner verstrickt. Dem Möbiusband kann man jedoch nur entkommen, wenn man abspringt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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