Nachrichten aus dem Inneren

aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Analog zu Saul Steinbergs berühmtem Cover für den New Yorker (wo kurz nach der 10th Avenue schon der Pazifik, China, Japan und Russland kommen), lässt sich das Weltbild von Journalisten kugelförmig denken: In der Mitte steht der eigene Schreibtisch, und alles, was außerhalb der Redaktionsräumlichkeiten liegt, läuft unter "da draußen“. Über "da draußen“ werden die unglaublichsten Spekulationen angestellt; "da draußen“ spielt sich das wahre Leben ab, und von "da draußen“ keine Ahnung zu haben, gehört zu den Selbstverdächtigungsritualen der Branche. Sollte "da draußen“ schon jemand an einer Bio- oder Monografie über Florian Klenk arbeiten, würde sich der Titel "Die Unfähigkeit zu urlauben“ anbieten. Wenn Klenk urlaubt, muss man sich das vorstellen wie eine Beam-Panne an Bord der Enterprise: Die Person ist weder hier noch da, aber ein unscharfes Hologramm an funkelnden Punkten steht noch im Raum, und jeder dieser Funkelpunkte ist imstande, E-Mails, SMSe und Tweets zu versenden.

Manchmal kann man von den Vorgängergenerationen wirklich noch was lernen. Schickt sich Armin Thurnher an, ins verlängerte Wochenende zu gehen, setzt er seinen modisch verbeulten Strohhut auf und grinst wie ein Murmeltier, das gerade einen halben Liter vom extrafeinen Yogi-Tee getrunken hat. Seine Spuren verlieren sich "da draußen“. "Führungslos bei 40 Grad“, murmelt Barbara Tóth fassungslos. Tatsächlich ist es wurscht, denn diese Zeitung schreibt sich eh von selbst. Findet jedenfalls der Mann, der dann mal weg war.

KLAUS NÜCHTERN


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