Kommentar Wahlkampf

Endlich eine gute Idee: Grüne wollen eine Kochmatura!

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Eva Glawischnig hat mit einem Presse-Interview aufgeregt. Leider mit dem falschen Thema. Die Grüne Spitzenfrau geriet in einen parteiinternen Shitstorm, weil sie wagte auszusprechen, dass man in Wahlkampfzeiten "selbstverständlich“ Abschiebungen vornehmen dürfe, sofern "Rechtsverfahren ordentlich und in einer überschaubaren Zeit durchgeführt werden“. "Beschissen“ sei das, fand die grüne Ex-ÖH-Chefin Janine Wulz. Charmebolzen Johannes Voggenhuber faselte etwas von einem "Hitzekoller“.

Fundi ist gar kein Wort dafür, wie weltfremd man sein kann. Glawischnig betonte bloß, was ohnehin grüne Position ist. Ein faires Asylrecht kann nie als Bleiberecht für alle funktionieren. Wer das will, sollte bei den Refugee-Aktivisten anheuern, nicht bei einer Partei, die Verantwortung im Land anstrebt.

Ein weiterer Akzent Glawischnigs ging in der Hitze des Abschiebungsgefechts unter, wäre aber viel zu schade dafür, im Sommerloch zu verschwinden. Glawischnig will eine Kochmatura, so wie Jamie Oliver. Wer die Reifeprüfung ablegt, sollte eine Woche lang für sich selber sorgen können - abseits von Fertigpizza und Dosensuppen.

Ganz ohne Ironie: Das ist eine mehr als diskussionswürdige Idee. Weil die Kulturtechnik des Kochens gerade verlorenzugehen droht. Weil Respekt vor der Umwelt beim täglichen Einkauf beginnt und beim Tellerabräumen endet. Weil, wer kochen lernt, im Vorübergehen eine Menge über Geschichte, Kultur, Physik, Chemie und Gemeinschaftssinn mit aufschnappen kann. Weil wir dann auch darüber reden müssten, welche sozialen Aufgaben Schulen in Zukunft erfüllen müssen.

Kann bitte jemand auch darauf reagieren? F


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