Politisches Buch

Tour de Force durch die politische Matrix

Politik | Rezension: Werner Reisinger | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Die Historiker Tony Judt und Timothy Snyder liefern in ihrem gemeinsamen Buch ein gutes Beispiel für positiven Revisionismus

Tony Judt war so etwas wie der Archetyp eines europäischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Als Kind jüdischer Einwanderer in Großbritannien geboren, als junger Mann ein überzeugter Marxist, erlebte er den Mai 1968 in Paris, studierte später in Cambridge Geschichte und ging danach rasch auf Distanz zur theorielastigen Debattenkultur der 68er-Bewegung wie auch der klassischen Linken. Mit dem Mammutwerk "Postwar“ schuf er ein Standardwerk. Wie auch Co-Autor und Yale-Historiker Timothy Snyder verstand sich Judt als Fürsprecher der "großen Geschichte“.

Dies resultiert wohl nicht zuletzt aus Judts Skepsis gegenüber der historischen Sozialwissenschaft. Deren Konjunktur in den 1970er-Jahren sieht er als disziplinarische Orientierungslosigkeit, als Zeichen von mangelndem "intellektuellem Selbstbewusstsein“.

An diesem fehlte es den beiden Autoren ebenso wenig


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