Gelesen Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Ungarn verstehen

Nachrichten aus Ungarn sind oft verstörend. Für viele bleiben das Nachbarland und dessen Premier Viktor Orbán ein Rätsel. Nicht einfacher macht es die Tatsache, dass das Ungarische eine Nischensprache ist. Kaum ein Berichterstatter versteht es, man ist auf Übersetzungen angewiesen - mit all den möglichen daraus entstehenden Tücken.

Der im Nischenverlag von Zsoka und Paul Lendvai erschienene Roman "Der Verruf“ von György Spiró leistet doppelte Abhilfe. Der Autor - in Ungarn ein Klassiker - lässt seinen Gegenwartsroman rund um das Schlüsselereignis der jüngeren Geschichte spielen: die Niederschlagung des Volksaufstandes 1956. Sein Held, eigentlich ein Antiheld, Ingenieur Gyula Fátray, gerät wegen einer Namensverwechslung in die Mühlen des Staatsapparates. Er wird der "kontrarevolutionären Aktivität“ verdächtigt - und erlebt jenen Verlust von Sicherheit darüber, was wahr sein darf und was nicht, der sich heute, in Zeiten der Demokratie, kaum noch nachvollziehen


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