Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Eine ausgezeichnete Darstellung der aktuellen Krise der Tageszeitungen findet sich in der fünften Staffel von "The Wire“. Hier geht es um die von Sparmaßnahmen betroffene Baltimore Sun, deren Auslandskorrespondenten im Lokalteil arbeiten müssen. Ältere, erfahrene Journalisten werden gefeuert, während jüngere Kollegen um die Gunst der Chefs buhlen. Dabei gehen journalistische Standards verloren, etwa indem Quellen anonym zitiert werden. Der gute "Sager“ eines Informanten ist oft die Erfindung eines Journalisten, um die Story aufzufetten.

So kommt es auch, dass ein Nachwuchsreporter für eine Geschichte über einen Serienkiller recherchieren soll und dabei Zeugen herbeifantasiert. Während der Ressortleiter die Glaubwürdigkeit des Kollegen anzweifelt, hat er beim Herausgeber gewonnen. Die Auflage ist wichtiger als die Wahrheit. Die "Wire“-Macher sind Zyniker: Der Märchenerzähler gewinnt den Pulitzerpreis.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige