Requiem für ein Ritual

Medien | Essay: Sibylle Hamann | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Die US-Serie "The Newsroom“ ist ein Abgesang auf eines der wichtigsten Formate des Fernsehens: die Hauptnachrichtensendung. Sie ruhe in Frieden

Es ist eine Art feuchter Traum. Viele hingen ihm nach, als sie, irgendwann inmitten pubertärer Wirren, beschlossen, Journalisten zu werden. Der Traum geht so: Es ist acht oder neun Uhr abends, die Sonne ist untergegangen, das Abendessen verspeist, die ganze Nation versammelt sich im Wohnzimmer. Die Oma rückt die Lesebrille zurecht, die Kinder spitzen erwartungsvoll die Ohren, alle starren gebannt auf den Bildschirm. Gleich geht es los. Jetzt ertönt die Signation. Jetzt der kurze Moment, in dem die Melodie verhallt. Gleichzeitig leuchtet, ohne dass die Zuschauer es ahnen, im Studio das rote Aufnahmelämpchen auf. Genau dann ist der Moment, die Stimme zu erheben, fest und klar, und einen Satz zu sagen, der den Menschen die Augen öffnet. Die Wahrheit kann unangenehm sein, aber sie ist zumutbar. Und ich, der Journalist, die Journalistin, bin auserkoren,


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