Enthusiasmuskolumne Diesmal: die schönste Buchhandlungsauslage der Welt der Woche

Ordnungsprinzip: die Farbe der Sehnsucht

Feuilleton | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Zur Arbeit des Buchhändlers gehören die ansprechende Präsentation im Laden und im Schaufenster, auch die Organisation von Lesungen und anderen Werbemaßnahmen. So steht’s in Wikipedia, so stimmt’s. Das Durchschnittsfenster der Wiener Buchhandlung entspricht dieser Vorgabe nicht immer; kleine, liebevoll geführte Buchhandlungen erkennt man stets an der Aufmerksamkeit, die sie ihren Auslagen angedeihen lassen. Dieser Tage ist eine Buchhandlung besonders zu loben.

Die Buchhandlung Frick, das Internationale Buch, vormals Zentralbuchhandlung, stellt in der Schulerstraße am Stephansplatz ihre Bücher nach einem überraschenden, aber doch naheliegenden Ordnungsprinzip aus: nach der Farbe. Da gibt es ein Fenster voller Bücher mit Blau auf dem Cover, zentral dominiert von einem Poster mit einer Meereswelle.

Gerade das Inkommensurable der ausgestellten Bücher, zusammengefasst unter dem Aspekt der Sehnsuchtsfarbe, erfreut das Auge. Eine Kurzfassung von Karl Marx’ "Kapital“ (Hommage an die kommunistische Vergangenheit des Hauses) trifft auf Doris Knechts "Besser“, Lyotard/Thébauds "Politik des Urteils“ auf Carlo Ginzburgs "Fahrten und Fährten“. Und ganz dezent in der rechten Ecke liegt das schöne Insel-Büchlein, das alles erklärt: "Blau, die himmlische Farbe“.

Den linken Altarflügel bildet kontrastierend ein gelbes Fenster, wo es eher um Ethik und Pädagogik geht, mit Titeln wie "Mich kränkt so schnell keiner“ oder "Ohrfeigen für die Seele“ und natürlich Schopenhauer (kein einziger Langenscheidt dabei!). In einem Mittelfenster prangt logischerweise der Regenbogen der Edition Suhrkamp. Ah, Sie haben es bemerkt?, fragte erfreut die Buchhändlerin. Ja, haben wir, und es gefällt uns vorzüglich!

ARMIN THURNHER


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