Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Der sinnlose Pappkameradentod

Steiermark | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Die seit einiger Zeit aktive Facebook-Gruppe "Occupy Stadtpark“ engagiert sich vor allem gegen die hiesige Verbotspolitik. Und hat damit schon für heftige Kontroversen gesorgt. Nicht zuletzt deshalb, weil dort einige Mitstreiter schon einen rechten Unfug gepostet haben, was dann der ganzen Gruppe auf den Kopf gefallen ist. Nicht nur, dass die Ordnungswache einen Vergleich mit Nazischergen über sich ergehen lassen musste, jetzt tauchte kurzzeitig ein Video auf, in dem ein Grazer Künstler einen Pappkameraden von Bürgermeister Siegfried Nagl in Stücke haut. Und das auch noch unter dem Titel "Stirb, Nagel, stirb!“.

Eine "politisch gesteuerte Hetzkampagne“, wie es die ÖVP vermutet? Ein Aufruf zum Mord? Aber geh! Nur haben jetzt konservative Kommentatoren leichtes Spiel, die Gruppe als nicht satisfaktionsfähig abzustempeln. Nicht gerade hilfreich. Und eines macht das Video in seiner platten Symbolik obendrein deutlich: Viele der aktiven Mitglieder der Gruppe suchen für komplexe gesellschaftspolitische Probleme zu einfache Lösungen. Ja, unser Bürgermeister hat schon ein Faible für Verbote. Allerdings reguliert eine Person allein nicht das Betriebsklima einer ganzen Stadt. Man denke an die einschlägigen Kleinformate, die dieses ständig anheizen.

Nicht nur deshalb ist Graz eine Stadt, in der manche die Provinz in ihren Köpfen tragen. Was man nicht hören und nicht sehen will - etwa Bettler oder Suchtkranke -, dem wird nicht selten mit Gehässigkeit begegnet. Wie nun diese kleinbürgerliche Borniertheit in weltmännische Aufgeschlossenheit zu transformieren wäre - einen Hyde Park für denjenigen, der da Lösungen anzubieten hat. Dann zieht nämlich auch die Politik mit.


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