Doris Knecht Logbuch

Dann klappt auch das mit der Dankbarkeit

Kolumnen | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

9.8., 20.10 Uhr. Endlich ein Scrabble gekauft. Die Mimis würden ja lieber drüben im Horwath-Hof oder im Zimmer knotzen und DVDs schauen. Fernsehen gibt’s nicht hier auf dem Land, aber die gute Mutter hat ihnen statt des rotstichigen TV-Geräts im Apple-Classic-Format, das alle fünf Minuten die Verbindung zum DVD-Player unterbrach, den alten Wohnzimmer-Flachbildfernseher mit der 35-Zentimeter-Bildschirmdiagonale abgetreten. Die Mimis glauben jetzt, sie haben ein eigenes Kino. Boah, so groß! Danke, gute Mutter! Gerne, liebe Kinder. So macht man das. Die Grunderwartung von Kindern am absoluten Minimum halten, dann klappt auch das mit der Dankbarkeit. Jedenfalls säßen sie jetzt Abend für Abend vor ihrem Riesenbildschirm und schauten "Grey’s Anatomy“, was einem jetzt, wo es etwas kühler geworden ist, eigentlich recht wäre, weil dann könnte man selbst mit dem Notebook auf dem Bauch "Top of the Lake“ schauen (guter Tipp, lieber L’Heritier), und vielleicht "Broadchurch“, worüber ich aber noch nichts sagen kann, weil jetzt wird erst einmal Scrabble gespielt.

Wie wir das neue Scrabble ausgepackt und zum ersten Mal gespielt haben, hatten wir gerade scrabbleaffine Gäste. Deshalb spielten die Mimis zusammen, und ich schwöre bei Philip Roth, dass es sich wie folgt zugetragen hat, nämlich großes Getuschel bei den Mimis, ob das Wort gilt oder nicht, und dann großes Hallo bei den Erwachsenen, ob sie wahnsinnig sind, das gilt natürlich nicht, und massives Protest-Wähbäh bei den Mimis: Total gemein, wieso jetzt nicht, das ist doch total im Sprachgebrauch, das Wort??!! Weil man NUTTE bitte mit zwei T schreibt, nicht mit einem, ihr Semmeln, das sollte man nach der ersten Klasse Gymnasium echt intus haben. NUTE, also wirklich.

11.8., 16.40 Uhr. Am Badeteich (auf Anhieb gefunden: sehr stolz) fällt ein völlig zerfleddertes Exemplar von Tim Parks’ "Die Kunst stillzusitzen“ aus meiner Badetasche. Der Horwath oder der Herr Rookie oder war’s wer anderer, will wissen, wie das ist. Tja. Ich weiß es noch nicht. Hab erst ein Drittel gelesen und find’s bisher eher hypochondrisch. Liegt aber vielleicht daran, dass ich keine Prostata habe. Wobei, wenn ich mich recht entsinne: Die meisten Männer, die das gelesen haben, fanden es großartig, die meisten Frauen, die ich kenne, haben es nicht fertiggelesen, weil’s ihnen zu wehleidig ist. Das sagt mir was. Werde es trotzdem fertiglesen.

12.8., 11.30 Uhr. 50 Dollar investiert: Bin jetzt Official Backer von Marina Abramoviæ und ihrem geplanten Institut. Ich hege erbarmungslose Bewunderung für Marina Abramoviæ, seit ich "The Artist Is Present“ gesehen habe. Grandiose Frau. Famoser Film. Der Marina Abramoviæ seh ich sogar die Schönheitsherumdoktorei nach, bei der ist mir das wurscht. Bzw. ist das Würde-Reservoir, das die, sehr unwehleidig, im Lauf ihres Lebens angelegt hat, einfach unerschöpflich. Das eigene … wieder mal einen Blick reinwerfen, tja.


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