Menschen

Klimper, klimper

Kolumnen | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Es war vielleicht die poetischste (ui, bei diesem Wort muss man höllisch aufpassen, nicht in die Cirque-du-Soleil-Kiste zu geraten) Aktion des Sommers, die sich der deutsche Kunststudent Justus (Nachname der Redaktion bekannt) ausgedacht hat: Vergangene Woche verfrachtete der Berliner, der seit fünf Jahren Wiener ist, gemeinsam mit ein paar Kumpeln einen 110 Jahre alten Konzertflügel von einer Wohngemeinschaft in den Brunnen vor der Karlskirche, stellte die drei Pianobeine auf Kisten und ließ Passanten an die Tasten. Die Leute klimperten auf dem Instrument im Wasser, das Teil stand im strömenden Regen und schließlich wurde es dann am Montag - "aus Sicherheitsgründen“ - seitens der Stadt entfernt. Schade eigentlich. Pianos überall in der Stadt zum freien Bespielen, das wäre eine hübsche Alternative zum Handy- und Verkehrsgebrüll. Und so schön, äh, poetisch.

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Auch sehr speziell: die Preisverleihungs-Sause zum Prix Jardin d’Europe, dem europäischen Tanzpreis für junge Choreografie, mit dem das Festival Impulstanz am Sonntag zu Ende gegangen ist. Gewonnen haben Amanda Apetrea und Halla Ólafsdóttir aus Schweden und Island für ihre Produktion "Beauty and the Beast“. Und ein bisschen beißen wir uns hier hinten jetzt in den Hintern, weil wir genau das nicht gesehen haben - aber dafür der Kollege vom Tanztagebuch. Und der fand die Stadionrockgestenshow mit lauter Musik auch ziemlich cool. Und wir gratulieren dem Duo zu gewonnenen 10.000 Euro. Jetzt muss man also wieder ein Jahr warten, bis wieder ganz Wien Impulstanz ist. Ooooch.

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Dramedy ist ja ein ganz neues TV-Serien-Genre. Und wer "Shameless“ kennt, weiß, was gemeint ist: düster-lustige Turbulenzen um den abgestürzten Familienvater Frank Gallagher, gespielt von David Threlfall. Der Bezahlsender Sky hat, scheint’s, ein bisschen das Kino am Dach der Gürtelbibliothek entdeckt und veranstaltete dort zum zweiten Mal diesen Sommer ein Vorabscreening einer Serie. Mr. Threlfall war nicht persönlich gekommen, nur ein Wiener Gallagher-Impersonator. Und das mit dem Verkleiden haute bei "Shameless“ nicht ganz so gut hin wie neulich bei der "Mad Men“-Nacht, was aber auch daran liegt, dass die Schamlosen in weniger glamourösen Zeiten spielen als die Werberserie über die Sixties: in der Gegenwart. Trotzdem natürlich lustig und eine prima Idee. Und Matthias Euler-Rolle von Radio Superfly machte den DJ.

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Der Mann der Woche? Alexander Peya. Der Wiener ist nämlich Zweitbester. Nach seinem Sieg beim ATP-Masters-1000-Turnier in Montreal wurde der Tennisspieler mit seinem brasilianischen Partner Bruno Soares die neue Nummer zwei der ATP-Doppel-Weltrangliste. Und jetzt sind hier alle mächtig stolz auf den Mann, die Männer.

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Noch mehr Gewinner: Franz und Brigitte Leonardelli. Die betreiben im 20. Bezirk eine Gelateria, die als "Gefrorenes-Salon“ seit 1900 besteht und damit die älteste Eisdiele der Stadt ist - und offenbar auch die modernste, was Ökologie und Nachhaltigkeit betrifft. Weshalb der Betrieb der Leonardellis jetzt auch mit dem ÖkoBusinessPlan samt Gemeinwohlbilanz ausgezeichnet wurde. Eiskalt.

christopher wurmdobler


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