Heuer keine Feuchtgebiete

Die Wettervorhersage für das 13. Frequency-Festival: Flüssiges gibt 's nur am Getränkestand

JULIA SEIDL | aus FALTER 33/13 vom 14.08.2013

Frequency 2012, ein Augenzeugenbericht von einer Kegelpartie mit menschlichen Kugeln: Eine Gruppe junger Männer steht inmitten der 160.000-Personen-Zeltstadt und bepflastert einen abgetretenen Hügel mit leeren Müllsäcken. Die Burschen holen ihre mitgebrachten Spritzpistolen heraus und besprenkeln die Plastikbeutel mit Wasser. Dann stapeln die Eintagsarchitekten emsig die dazugehörigen Mülltonnen am Ende der improvisierten Rutschbahn so übereinander, das sie ein Hindernis am Fuß des Hügels bilden. "Hehe. Los!", ruft einer der Beteiligten und macht den Anfang. "Wer am meisten umhaut, gewinnt!" In einem Einkaufswagen sitzend, stößt er sich von der Spitze des Miniberges ab und setzt Kurs auf die Mistkübelpyramide. Dem wilden Gelächter und den geröteten Gesichtern nach zu urteilen, war dieser Einfall alkoholbedingt.

August 2013, es ist wieder so weit: Von 15. bis 17.8. öffnet das Messe-und Veranstaltungszentrum VAZ zum fünften Mal in Folge die Tore des Green Park in St. Pölten für eines der größten Festivals in Österreich: das Frequency. Vorausgesagt sind sommerliche Temperaturen ohne Regen.

Unter den rund 100 auftretenden Acts finden sich unter anderem die US-amerikanische Indie-Rockband Awolnation, die mit ihrem Hit "Sail" bekannt wurde, der österreichische Rapper Left Boy und das britische Synthie-Pop-Duo Hurts. Alle Infos rund um das Festival und das Line-up kann man sich übrigens mit der Frequency-App aufs Handy runterladen.

Traditionell gibt es ein Tages-und ein Nachtprogramm (Day-und Nightpark), bespielt werden dieses Jahr zwei Hauptbühnen und fünf Nebenbühnen. Die größten und erfolgreichsten Bands treten auf den Hauptbühnen auf, der Space Stage und der Green Stage. Oft müssen die Besucher brutale Entscheidungen treffen, welche der sogenannten Main-Acts sie sehen möchten, denn nicht selten spielen internationale Weltstars gleichzeitig (oder, wie manche Bands spaßhalber sagen: "gegeneinander").

Schon am Donnerstag werden die Besucher vor die Wahl gestellt, sich entweder den Scherzen und nicht ganz so ernst gemeinten Rocksongs der Band Tenacious D von Schauspieler Jack Black hinzugeben oder doch der irischen Folk-Gruppe Flogging Molly zu lauschen. Am Freitag duellieren sich das Dubstep-Drum-and-Bass-Trio Nero und die Metal-Band System of a Dawn.

Die Ehre, das Festival zu beenden, fällt heuer zur Abwechslung (Vorsicht, Sarkasmus!) auf Die Toten Hosen, die auf der Space Stage performen, während parallel dazu Nick Cave mit seiner Band The Bad Seeds die Green Stage rockt. Der Australier wurde der breiten Masse 1996 durch seinen Hit "Where the Wild Roses Grow" bekannt, ein Duett mit der Pop-Sängerin Kylie Minogue. Der 55-Jährige schreibt Bücher und Filmmusik und arbeitet gelegentlich selbst als Schauspieler.

Möchte jemand nicht nur in der jubelnden Menge vor einer der Bühnen stehen und fremde Körperteile in die Seite gerammt bekommen -in ständiger Angst, der nächste Crowdsurfer könnte auf seinem eigenen Kopf landen -, kann er sich auch abseits vom Musikgeschehen beschäftigen: Im Art Park erwarten die Zuschauer unter anderem Kochshows (!) und literarische Lesungen.

Wer noch nicht weiß, wie er zum Frequency kommt, kann bei der "Anreisebörse" auf der Homepage des Festivals nachschauen, ob es eine Mitfahrgelegenheit gibt. Oder ganz umweltschonend mit einem der Sonderzüge aus Wien, Salzburg oder Linz anreisen. Die Abfahrtszeiten sind auf der Homepage der ÖBB abzufragen. Vom Hauptbahnhof in St. Pölten fährt dann in regelmäßigen Abständen ein Shuttlebus zum Festivalgelände. Einsteigen darf, wer sechs Euro hinlegt.

Ehrenamtlich hingegen arbeiten 450 Sanitäter am Festival. Auch Notärzte sind vor Ort. Der Erfahrung nach rechnet das Rote Kreuz mit 3000 zu versorgenden Patienten. "Wir raten den Leuten, Sonnencreme mitzunehmen und viel zu trinken -Wasser, wenn's geht", so einer der Sanitäter.

Das mit dem Trinken wird den Besuchern wohl nicht schwerfallen. Vielleicht kommt es dann wieder zu solchen Geschichten, wie sie die 22-jährige Studentin Cornelia und ihre Freundin vor ein paar Jahren erlebten: Nach einem langen Festivaltag beim Zelt angekommen, sah sie einen ihr nicht bekannten Schuh aus dem Zelteingang herausragen. In dem Schuh steckte auch noch ein Fuß und sein nackter Besitzer. Na ja, fast nackt, eine Badehose hatte er noch an. In völlig betrunkenem Zustand erklärte er den Mädchen, dass das hier seine Schlafstätte sei.

Da es die beiden nicht übers Herz brachten, ihn rauszuwerfen, deckten sie ihn mit ihren Regenjacken zu und ließen ihn großzügig die Nacht in ihrer Mitte verbringen. Am Morgen nuschelte der Bursche einsichtig eine Entschuldigung, dankte brav für die Gastfreundschaft und verschwand in der Menge.

VAZ St. Pölten, 15. bis 17.8.


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