Die SPÖ: von der emanzipatorischen Bewegung zur bequemen Staatspartei

B. Tóth | Politik | aus FALTER 34/13 vom 21.08.2013

Ihr 125-jähriges Bestehen wird die österreichische Sozialdemokratie am Ende dieses Jahres feiern können. Zur Jahreswende 1888/89 gelang es dem Arzt und Journalisten Victor Adler, die verschiedenen sozialistischen Strömungen auf dem Hainfelder Parteitag zu einen. Das war die Geburtsstunde der heutigen SPÖ.

Wer mit heutigen Augen auf die damalige österreichische Sozialdemokratie blickt, sieht eine stolze, zukunftsgewisse, theoriestarke und kampfbereite Bewegung mit großem Welterklärungsanspruch vor sich. Sie hat einen überaus charismatischen Anführer, der gleichzeitig eine Art Aufdeckungsjournalist ist (Adler schrieb aufrüttelnde Reportagen über die Missstände in Wiens Fabriken). Sie hat ein von ihm gegründetes eigenes Parteiorgan, die Arbeiter-Zeitung. Und sie hat ein fest umrissenes Theoriekonzept, den Austromarxismus.

"Nicht die Köpfe einschlagen, die Köpfe gewinnen!“ lautete ein Wahlspruch der Austromarxisten. Nicht durch blutige Revolutionen, sondern durch soziale Reformen

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