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Bücher, kurz besprochen

Politik | Sebastian Huber | aus FALTER 34/13 vom 21.08.2013

Die zirpende Demokratie

Kann man das westlich-parlamentarische System komplett umkrempeln? Beppe Grillo, Komiker und Kopf der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung(M5S), will genau das schaffen; weg von der repräsentativen Demokratie hin zu einer direkten, zu einer "digitalen Demokratie“. Starke 25,5 Prozent konnte der M5S bei den italienischen Parlamentswahlen erzielen - seither schwächelt die Bewegung. Trotzdem: Dass die "Grillini“ ernsthaft die Systemfrage stellen, bleibt ein Alleinstellungsmerkmal, vor dem die etablierten Parteien zittern. Was genau Grillo und seine Anhänger verändern wollen, erklärt er in dem Buch "5 Sterne“.

Auf einem imaginären Spaziergang von Athen nach Piräus plaudert Grillo mit seinen Mitstreitern, dem Computerspezialisten Gianroberto Casaleggio und dem Literaturnobelpreisträger Dario Fo, über die Anfänge der Demokratie, über das Potenzial des Internets und die Wurzeln der Finanzkrise. Durchaus spannende Ideen zu mehr wirtschaftlicher Nachhaltigkeit stehen plumpem Anti-EU-Sprech gegenüber. Manche Themenblöcke, etwa die Spekulationen über den Ausgang der Parlamentswahlen, sind überflüssig; hier kommt die deutsche Übersetzung zu spät. Trotz dieser Mängel ist das Buch lesenswert, weil es die politischen Widersprüche der M5S aufzeigt: So akzeptiert Grillo etwa keinen Widerspruch, obwohl er fordert: "Die Bewegung darf keinen Führer haben.“

Beppe Grillo, Gianroberto Casaleggio, Dario Fo: 5 Sterne. Über Demokratie, Italien und die Zukunft Europas. Klett-Cotta, 240 S., € 17,50


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