Fragen Sie Frau Andrea

16th Element: ein Bierglas mit Loch

Kolumnen | aus FALTER 34/13 vom 21.08.2013

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

seit einiger Zeit hat die Brauerei in Wien 16 ein neues Logo und jetzt auch neue Gläser. Seidel und Krügerl sehen eher retro aus, haben aber ein seltsames Loch im Sockel. Hier meine Fragen: Was soll das Loch? Wenn man mit dem Finger drin stecken bleibt - muss man dann ins AKH? Wieso heißt es eigentlich Seidel und Krügerl?

Liebe Grüße,

Maurizio Frizzi,

Wien Ottakring, per Elektro-Post

Lieber Maurizio,

das Loch im Sockel ihrer neuen Gläser habe, so lassen die Ottakringer-Bier-Leute wissen, mehrere Hintergründe. Das fingerdicke Designelement - es wurde vom avantgardistischen Wiener Sachenausdenkstudio Walking Chair ersonnen - fungiere als pfiffige Objektbotschaft. Die runde Aussparung erinnere erst mal an das "O“ von Ottakringer. Durch das "Element“, die Bierleute vermeiden tunlichst Begrifflichkeiten, in denen das Wort "Loch“ vorkommt, beschäftige sich der Biertrinkende mehr und mehr mit dem Glas und dem Bier darin. Der Gast, so erhoffen sich die Ottakringerer, werde von einem solchen Glas nicht "die Finger lassen“ können. Auch sei dem Wirt beschieden, Botschaften in das Loch zu stecken. Eine eingerollte Minispeisekarte, die Rechnung, einen Rabattgutschein für eine Lokalrunde.

Wie auch immer, das Loch in der Hopfenkaltschale hat wohl eher praktische gastronomische Hintergründe. Da der Sockel, er hat etwa die Dimension und Anmutung einer verkehrt herum stehenden Espressotasse, hohl ist, würde sich darin beim Spülen in der Maschine Wasser ansammeln. Durch das Loch fließt das Wasser sofort ab. Das Saubermachen wird nicht zur Pritschelei. Beim Steckenbleiben im Bierglasloch empfiehlt Frau Andrea - vor dem Gang ins Allgemeine - die Applikation von dickem Seifenschaum. Diesem können hohe Lubrikationsfähigkeiten attestiert werden.

Der Ausdruck Seidel für die kleinere der beiden österreichischen Bierglasnormen war ursprünglich ein Maß für Flüssiges und Trockenes und kommt vom lateinischen sitella, einem urnenförmigen Eimerchen, dem Diminutiv zu situla, womit im Mittelalter ein kleineres Gefäß für Wein bezeichnet wurde. Das Krügerl ist ein kleiner Krug, außerhalb Wiens und jenseits des Käsekraineräquators auch als Großes, Halbes, Schoppen und Chübel bekannt.


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