"Ich lächle den ganzen Tag"

Der berühmte Clown Jango Edwards über das Festival Comicodeon und seine Mission

Lexikon | Interview: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 34/13 vom 21.08.2013

Das internationale Clownfestival Comicodeon fand bis 2009 in Kapfenberg statt. Nach vierjähriger Pause geht es heuer erstmals in Wien, in der Kulisse, über die Bühne. Galionsfigur des Festivals ist der US-amerikanische Clown Jango Edwards, 63, der seit den 70er-Jahren in Europa lebt und die Nouveau-Clown-Bewegung mitbegründete. Der Falter erreichte Edwards telefonisch in dessen Wahlheimat Barcelona.

Falter: Herr Edwards, Sie sind in Wien ein alter Bekannter. Kann man sagen, dass Sie ein besonderes Verhältnis zu der Stadt haben?

Jango Edwards: Ja, ich arbeite seit vielen Jahren hier. In den 80er-Jahren habe ich das "Festival der Clowns" mitbegründet, und seit einiger Zeit arbeite ich in Wien mit einer Truppe namens Cabaret Snitzel. Ich habe auch in dieser Fernsehserie mitgespielt - "Tobowawowo"?

Sie meinen "Tohuwabohu".

Edwards: Ja, genau, das hat Spaß gemacht. Ich mag Wien, deshalb bringen wir jetzt wieder ein Clownfestival hierher - aber nicht mit den kommerziellen Zirkus-Sachen, sondern mit freieren Formen.

Haben Sie selbst je im Zirkus gearbeitet?

Edwards: 2000 war ich ein Jahr lang beim Circus Roncalli, da war ich so eine Art Elefantenmensch. Zirkus ist schon okay, aber er ist nicht mehr wirklich der Ort für Clowns. Ich verstehe mich als Teil einer Bewegung, die sich "Nouveau Clowns" nennt, ich bin so was wie der Pate dieser Bewegung. Wir haben damit in den 70er-Jahren in Amsterdam angefangen, und heute ist daraus eine riesige Familie geworden, die über die ganze Welt verstreut ist. Es gibt in Barcelona jetzt auch eine Schule, das Nouveau Clown Institute.

Was ist der Unterschied zwischen einem Nouveau Clown und einem klassischen Clown?

Edwards: Der Großteil unserer Arbeit findet nicht auf der Bühne stand. Unsere Arbeit ist das Leben. Wir arbeiten auf der Straße, mit Kindern, in Schulen, in Spitälern. Nouveau Clowns sind alle gleich, keiner konkurriert mit dem anderen. Im Zirkus ist das anders. Jeder wirbt damit, den besten Clown der Welt zu haben. Ich frage mich: Wieviele beste Clowns der Welt kann es geben? Uns Nouveau Clowns geht es nicht darum, berühmt zu sein. Und wir riskieren was. Das Comicodeon in Wien ist ein Festival des Risikos, ein Festival der neuen Formen. Wir verwenden die alten Techniken, aber wir adaptieren sie an die modernen Zeiten. Mir geht es hauptsächlich darum, den Leuten beizubringen, ihr Leben zu genießen und Spaß zu haben.

2011 wurde Ihnen das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen. Erinnern Sie sich an die Zeremonie?

Edwards: Ja, ich habe das Publikum gebeten, eine Minute lang zu lächeln. Danach hat allen das Gesicht wehgetan. Und ich sagte: "Sehen Sie, genau das ist meine Mission: Ich möchte es so weit bringen, dass Ihnen das Gesicht nicht mehr weh tut, wenn Sie lächeln." Die Menschen haben heutzutage Angst davor, zu lächeln. Ich hingegen lächle den ganzen Tag. Ich lächle, als würde aus meinem Arsch die Sonne scheinen!

Bei Comicodeon zeigen Sie zwei Produktionen. Die eine ist das Solo "Comic Formulas". Was ist davon zu erwarten?

Edwards: Da geht es darum, was ich in den letzten Jahren über die Arbeit als Clown gelernt habe. Ich bringe den Zuschauern bei, wie sie selbst Clowns werden können und Geld verdienen können, ohne dafür etwas tun zu müssen! Ich verrate ihnen die Rezepte.

Wenn man die Show besucht hat, ist man anschließend Clown?

Edwards: Genau. Wobei die Leute ja alle schon Clowns sind. Sie wissen es nur nicht. Die Leute glauben immer, Clowns sind komisch. Dabei sind es die Leute, die komisch sind! Wir machen nichts anderes, als die Welt um uns herum widerzuspiegeln.

Die zweite Produktion bestreiten Sie gemeinsam mit dem Cabaret Snitzel. Was ist das für eine Gruppe?

Edwards: Das sind verschiedene Künstler - Clowns, Artisten, Zauberer -, die ich seit Jahren kenne. Die Snitzels sind eine Bühnenfamilie, die Kabarett macht, das nicht politisch ist, sondern einfach nur Fun. Sie machen einmal im Monat einen Abend im Circus- und Clownmuseum. Beim Festival wird ein Best-of zu sehen sein. Ich gehöre auch zur Familie Snitzel - ich bin der Vater. Wobei die Familienmitglieder alle auch ihre eigenen Projekt laufen haben. Werden Sie kommen?

Hmm, ich weiß noch nicht.

Edwards: Ich würde es Ihnen raten. Ich kenne Ihren Namen, und ich weiß, wo Sie wohnen!

Kulisse, 22.8. bis 1.9.


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