Neu im Kino

Ein Kino der Momente: "Like Someone in Love"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 34/13 vom 21.08.2013

Akiko ist Soziologiestudentin in Tokio, nachts arbeitet sie als Callgirl. Doch die Dinge laufen nicht gut: Das Studium leidet unter ihrem Job, ihr Freund droht dahinterzukommen, was sie treibt, und ihre Großmutter taucht auf, um nach dem Rechten zu sehen. Die Begegnung mit einem ungewöhnlichen Kunden, dem ehemaligen Universitätsprofessor und verwitweten Autor Takashi Watanabe, bringt kurzzeitig Geborgenheit in Akikos Leben.

Das Drama "Like Someone in Love" des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami ist von Andeutungen und Geheimnissen geprägt. Kiarostami präsentiert keine nacherzählbare Geschichte, vielmehr leuchtet er das Zusammentreffen seiner Figuren aus. Die traurige, verlorene junge Frau, der romantische, einsame alte Mann, der besitzergreifende, gewalttätige Freund, der väterlich-strenge Zuhälter, die aufdringliche Nachbarin - sie begegnen einander in kunstvoll gefilmten Szenen.

Die unterschiedlichen Tonlagen und Füllworte der japanischen Sprache, vorsichtige Blicke und zurückgehaltene Emotionen haben einen großen Auftritt in diesen intensiven Kinomomenten. Faszinierend ist etwa die mit dem Off spielende Eingangsszene in einer Bar, jene Sequenz, in der Akiko ihre Großmutter aus einem Taxi beobachtet, oder der Versuch Takashis, das übermüdete Callgirl zu einem gemeinsamen Essen zu überreden.

Diese Momente sind es allerdings auch, in die "Like Someone in Love" mangels einer breiteren inhaltlichen Entwicklung zerfällt: Als großer Wurf erscheint Kiarostamis urplötzlich abreißendes Werk nicht. Auch die Liebe spielt eine geringere Rolle, als der Titel glauben machen könnte -wenngleich jeder für sich zwischen den Zeilen lesen möge. Die Liebe zur Kunstform Film wird jedenfalls spürbar.

Ab Fr im Gartenbaukino (OmU)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige