Wie bastelt man sich einen Wahlkampf? Kleines Glossar der Grauslichkeiten

Politik | Aufstellung: Barbara Tóth | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Böses "Wording“

Ein Begriff wird so lange eingesetzt, bis ihn Journalisten übernehmen. Bestes Beispiel: die ÖVP mit ihren "Faymann-Steuern“ (abgekupfert vom SPD-Wahlkampf 2005, dort hießen sie "Merkel-Steuern“). Die SPÖ wiederum nennt ÖVP-Chef Spindelegger derzeit gerne "Flip-Flopper“ - und meint damit nicht die beliebten Sommerschuhe, sondern seinen angeblichen (Achtung, Wording!)"Zickzackkurs“.

Gefällige "Studien“

Instantexpertisen, die zufällig die eigene Parteilinie untermauern, sind ein echtes Wahlkampfgeschöpf. Die ÖVP steckt der Kronen Zeitung gleich zu Wahlkampfbeginn eine "geheime Expertise aus dem Finanzministerium“, laut der 70.000 Jobs durch Firmenabwanderungen verlorengegangen seien. Die Absicht dahinter: gegen die SPÖ-Pläne für eine Abschaffung der Unternehmensgruppenbesteuerung mobilzumachen. Die Studie gab es nie.

Der Rentenklau

Kein SPÖ-Wahlkampf kommt ohne "Wir retten die Pensionen“-Broschüre aus. Legendär ist Franz Vranitzkys Pensionistenbrief aus dem Jahr 1995, der ihm die Wiederwahl als SPÖ-Kanzler sicherte. Diesmal warnt Faymann vor der Anhebung des Frauenpensionsalters. Wozu das Ganze? Eine einfache Antwort: von den 6,3 Millionen Wählern sind zwei Millionen Senioren, sie wählen überproportional SPÖ und ÖVP.

Billiges Kuscheln

Alle fünf Jahre wieder. Die ÖVP findet die Grünen - vor allem deren Wirtschaftsprogramm - mit einem Mal super. Und das auch noch in der Kronen Zeitung. Deutlicher geht es nicht: Hier wird strategisch nach links geliebäugelt, der Flirt nach rechts (Team Stronach) folgt bestimmt noch. Leisten kann sich diese "Ich mach’s auch gerne mit dir“-Signale derzeit nur die ÖVP, weil die SPÖ mit niemandem außer ihr und den Grünen koalieren will.


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