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Politik | Thomas Schmidinger | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Bücher, kurz besprochen

Bourgeoisie und Scheißpartei

Als seine Mutter ihm beim Tod seines Vaters das Versprechen entlocken wollte, nie Politiker zu werden, antwortete ihr der damals 14-jährige Michael Genner, dass er "denen“ nicht die Politik überlassen wolle.

Sein Vater, der als ehemaliger Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime im Waldviertel zum politischen Vorbild seines Sohnes wurde, hatte ihm erklärt, man müsse die Bourgeoisie hassen - "und die Scheißpartei“ obendrein. Unter "Scheißpartei“ verstand Genners Vater, ein antiautoritärer Kommunist, die von Stalinisten unterwanderte KPÖ. Was mit der "Bourgeoisie“ gemeint war, lernte Genner im Gymnasium im Waldviertel als "Kommunistenkind“ zwischen Bauern- und Bürgersöhnen.

Michael Genner, der polemisierende und selbst unter Linken nicht unumstrittene Obmann von Asyl in Not, hat eine Autobiografie veröffentlicht. Das Buch ist ein Zeugnis des politischen Aufbruchs der 1960er- und 1970er-Jahre, den Genner als radikaler Linker


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