Mediaforschung  Verführungskolumne

Wieso tragen Superhelden neuerdings Rosa, Herr Welan?

Medien | Petra Sturm | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Zuckerlrosa Catsuit, purpurfarbenes Cape und ein weltberühmtes Katzenkonterfei auf der Männerbrust. Anderswo werden Frauen zum Flyerverteilen in Hello-Kitty-Kostüme gesteckt. In Wien ist es ein Mann.

Der 21-jährige Benjamin Welan läuft seit Wochen in einem von seinem Vater, dem Marketingprofi Stephan Welan, erdachten "Hello Kitty Action Man“-Kostüm durch Wien und wirbt für die beiden Wiener Hello-Kitty-Franchise-Stores in der Lugner- und der Millennium City.

Der "einzigartige“ Superheld im rosa Anzug "soll ein Schmunzler für die Wiener sein“, sagt Stephan Welan. Das sei seinem Sohn "mittlerweile auch nicht mehr peinlich“.

Für Hello Kitty gelte "großer Kopf, große Augen, kleiner Körper; bedient perfekt das Kindchenschema und weckt Fürsorgeinstinkt“. Der HK-Action-Man darf auch andere Instinkte wecken. Der "Ladykiller“ taucht regelmäßig auf Szeneclubbings auf und kann mehr als flyern. Auf Facebook ergeht der Aufruf: "Lass dich mit ihm fotografieren, lade ihn zu einem coolen Drink ein - oder knuddle ihn.“ Auch mieten lässt sich der zutrauliche Action Man, etwa für Bachelorpartys.

Zielgruppe dieser Aktion: keine kleinen Mädchen mit Kitty-Spangerln im Haar, sondern sogenannte "Kidults“, sich kindisch gebende - in diesem Fall weibliche - Erwachsene.

Für sie gibt es in den Stores auch passendes altersgerechtes Spielzeug, etwa den "Hello-Kitty-Massagestab“, sprich Vibrator. Für Menschen, die ihr Leben ganz mit der Stummelkatze, die 1974 in Japan erfunden wurde, teilen wollen.


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