Enthusiasmuskolumne  Diesmal: Die beste Postwurfsendung der Welt der Woche

Warum fasziniert uns der Katalog bloß so?

Feuilleton | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Man könnte den Sinn des Lebens auch darin sehen, Ikea zu überwinden. Wer es nicht irgendwann schafft, Billy und Co zumindest teilweise aus seinem Eigenheim zu verbannen, sollte sich fragen, was in seinem Leben falsch gelaufen ist.

Ganz davon los kommt man allerdings nie. Das beste Beispiel dafür ist der Ikea-Katalog, der dieser Tage wieder zugestellt wurde. Auch Menschen, die "Ikea“ längst nicht mehr als Synonym für "Möbel“ verstehen, können sich der Faszination, die vom Ikea-Katalog ausgeht, nicht entziehen.

Warum eigentlich? Im Grunde ist der Ikea-Katalog ja auch nur ein Möbelhausprospekt. Aber er ist großartig fotografiert und überhaupt ziemlich gut gemacht. Alles so schön bunt hier! Auch wenn man gar nicht so wohnen will, ertappt man sich bei dem Gedanken, sofort in die schöne neue Ikea-Welt einziehen zu wollen.

Ikea scheint da einen Urinstinkt anzusprechen. Tief drinnen sehnen wir uns offenbar nach einem Holzhaus auf einer schwedischen Insel, nach hellen Räumen und Küchen mit Birkenholztischen, auf denen wahlweise Lachsfilets oder Kötbullar-Fleischbällchen verzehrt werden. Interessant!

Vielleicht wünschen wir uns ja nur endlich eine Wohnung, in der alles an seinem Platz ist (weil es eben auch, anders als zu Hause, für alles einen Platz gibt). In Wirklichkeit sehen die Ikea-Möbel nicht ganz so toll aus, und auch die (Platz)Verhältnisse zu Hause sind anders als auf den Bildern. Aber gerade das spricht für den Katalog.

Das Schlimmste an Ikea ist, dass man manchmal zu Ikea fahren muss. Wer jemals an einem Samstag bei Ikea war (und wer wäre jemals an einem anderen Tag dort gewesen?), weiß, was das heißt. Vielleicht ist es ja das, was wir am Ikea-Katalog so schätzen. Er macht es möglich, Ikea in seiner pursten Form zu erleben: als Gefühl.


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