Liebe und Hiebe: Salzburg, die Philharmoniker, Mortier und Österreich

Feuilleton | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

:: Die Wiener Philharmoniker und die Salzburger Festspiele gehören zum Festbestand dessen, was man gern als österreichische Kultur und österreichische Identität bezeichnet, also von etwas, das nicht weiter infrage zu stellen, sondern fraglos zu verehren ist, etwas, auf dem unser Selbstbild gründet wie auf verschneiter Bergwelt und gesottenem Rindfleisch. Die Moderne ist dabei höchstens geduldet.

Ein Intendant wie Gerard Mortier, der sich in Salzburg um die musikalische Moderne bemühte, war also für viele ein Ärgernis. In seiner Ära (1992-2001) stellte er das glatte österreichische Selbstverständnis, das sich in Selbstfeier erschöpft, infrage. Er war allerdings viel zu höflich, um auch jene Idee des Österreichers als besseren Deutschen infrage zu stellen, die bei den Festspielgründern Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt mitschwang.

In Österreich weiß man nie, soll man sich unter- oder überschätzen. Im Gespräch weist Mortier darauf hin, dass die Habsburgermonarchie


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