Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Pop

Earl Sweatshirt: Doris

Tyler, the Creator, war der erste Rapper aus dem L.-A.-Kollektiv Odd Future, der in breiteren Kreisen Gehör fand. Earl Sweatshirt aber ist der beste MC aus der Gang, die auch Sänger Frank Ocean hervorbrachte. Drei Jahre nach seinem ersten Mixtape - zwischendurch hatte ihn seine Mama in eine Schule in Samoa gesteckt - veröffentlicht der 19-Jährige sein offizielles Debüt. Seine Wortspiele sind atemberaubend, die Stimme klingt fast apathisch und zieht doch in ihren Bann, wie es nur ganz wenigen Rappern gelingt, und die Beats tun dem Flash keinen Abbruch. (Sony) sf

Elektronik

Horror Inc.: Briefly Eternal

Im Jahr 2002 veröffentlichte der Kanadier Marc Leclair unter dem Namen Akufen das fulminante Album "My Way“, auf dem er Minimal Techno mittels Cut-up-Sampling funky machte. Danach herrschte Funkstille. Mit seinem zweiten Projekt Horror Inc. legt Leclair ein neues Meisterstück vor. Die Beats tragen seine Handschrift - und doch lässt sich "Briefly Eternal“ nicht mit "My Way“ vergleichen, denn es macht einen neuen Klangraum auf. Somnambule Stimmungen treffen auf jazzige Akkorde und warme Gitarrenklänge. Geistermusik mit Seele. (Perlon) sf

Klassik

Igor Levit: Beethoven

Sein Publikum verblüffte der damals 23-jährige Pianist Igor Levit erstmals mit Ludwig van Beethovens hochkomplexen Diabelli-Variationen. Jetzt, drei Jahre später, ist sein Plattendebüt mit den fünf späten Beethoven-Sonaten erschienen. Das ist existenzielle Musik - mal zeitverloren, mal auftrumpfend, mal im Zeichen konzentrierter Meditation. Beethoven war radikal, Levit ist es auch. Er klopft, hämmert, bäumt sich auf, spielt mit den Noten, lacht und weint zugleich. Bekenntnismusik, die Grenzen sprengt: So soll Beethoven klingen. (Sony) MD


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