Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Ja Sakrament!

Steiermark | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Österreich gehört den Weltoffenen“, lässt uns die ÖVP derzeit mit ihren Wahlplakaten wissen. Graz offenbar nicht. Hier muss das ÖVP-Personal mitunter vom Verfassungsgerichtshof sanft in Richtung Freimut geschubst werden. Bürgermeister Siegfried Nagl hatte sich beharrlich geweigert, auch homosexuellen Paaren Einlass in den Grazer Trauungssaal zu gewähren, um dort ihre Partnerschaft eintragen zu lassen. Dem Erkenntnis der Höchstrichter, das sei diskriminierend, beugt er sich nun. Unter Druck läuft die Stadt der Menschenrechte geradezu zur Höchstform auf.

Es regte zum Schmunzeln an, als zu lesen war, der Trauungssaal sei "prunkvoll“. Das mag man so sehen, wenn man ornamentalen Dekorkitsch vergangener Dekaden schätzt. Aber eigentlich sind Saal, Nagls Haltung wie auch die Diskussion darüber gar nicht prunkvoll. Die beiden Ersteren, weil provinziell, die Diskussion, weil schlichtweg verzichtbar. Es gibt ein langes Register an Stadtangelegenheiten, bei denen Nagl zu einer breiten öffentliche Diskussion anregen sollte. In Sachen Trauungssaal hätte er aber nicht noch ein Schäuferl nachlegen, sondern - wie es vor dem Altar so schön heißt - für immer schweigen sollen. Stattdessen fordert er nun die Umbenennung des Trauungssaals.

In der Kleinen Zeitung begründet er dieses Ansinnen damit, dass eine Verpartnerung eben keine Trauung und die Ehe ein "Sakrament zwischen Mann und Frau“ sei. Ein Wunder, dass er nicht schon früher auf eine Umbenennung bestand - es soll dort schon zu zivilrechtlichen Eheschließungen bar jeder sakramentalen Gnade gekommen sein. Graz ist drauf und dran zur Hauptstadt der peinlichen Diskussionen zu werden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige