Logbuch

Dem Hund geht es gut, garantiert

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

18.8. Diesen Sommer habe ich mir ungefähr ein Viertel meiner Haare mit dem Nissenkamm ausgerissen, in dem sich, bis auf das allererste Mal, nie etwas fand als meine traurigen, entwurzelten Haare. Ein weiteres Viertel wurde von Insektenspray zerstört, der harmlos wirkt und nett riecht, bis man feststellt, dass damit der Nagellack viel leichter von den Nägeln abgeht als mit Terpentin. Und der zudem ein vertrautes Jucken auf der Kopfhaut erzeugt, sodass man, bereits völlig paranoid, mit dem Nissenkamm weitere unschuldige Haare ihrer Bestimmung entreißt. Ich habe mich einmal abfällig über den Abfraßtag geäußert. Das würde ich jetzt nicht mehr tun. Abfraßtag ist nächste Woche, und diesmal werde ich ihn in Demut begehen, und bitte Magnus, den zuständigen Heiligen, schon jetzt darum, in diesem Schuljahr alle Viecher vom Kopf der Mimis zu vertreiben, die dann quasi meine Haare abfressen und meine Frisur ruinieren. Und das Jucken hinterm rechten Ohr werde ich jetzt einmal beinhart ignorieren.

19.8. "Kinder, die Oma ist vom Rad gefallen.“ "Echt?! Was ist passiert??“ "Sie ist über einen Hund gefahren.“ "Was, über einen Hund?“ "Ja, es geht ihr aber gut, zum Glück.“ "Und dem Hund??“ "Weiß ich nicht.“ "Wieso weißt du das nicht?“ "Ich bin vor allem froh, dass der Oma nichts passiert ist.“ "Was war es für ein Hund?“ "Ich weiß nicht, ein kleiner.“ "Hatte er große Augen?“ "Weiß ich nicht!!“ "Ist der Hund tot?“ "ICH WEISS ES NICHT!“ "Ich ruf die Oma an!“ "Das ist nett, da wird sie sich freuen.“ "Ich will wissen, wie es dem Hund geht.“ Ich bin froh, dass der Oma bei dem Sturz nichts passiert ist, sonst könnten die Mimis morgen nicht zu ihr fahren.

22.8. Die Horwaths sind abgereist. Die Rookies sind schon vor ein paar Tagen verschwunden. Die Kinder der Nachbarn sind im Camp. Die Mimis sind bei der Oma. Niemand mehr da. Es ist still. Wir sind allein. (Soundtrack: James Blake, "Retrograde“.) Ferienlager is definitely over now. Es wird dann wohl Herbst jetzt, das war’s mit dem lustigen Hippieleben. Andererseits kann man dann mal nachsehen, was sich bei Ebay im Lauf des Sommers so an Stiefeln und Trenchcoats angesammelt hat.

23.8. Allerdings ist man froh und dankbar, dass man noch ein paar Tage weit genug von der Mariahilfer Straße weg ist. Es sollen dort unvorstellbare, ganz grauenhafte Zustände herrschen. Krieg, quasi. Fußgänger gegen Radfahrer, Radfahrer gegen Scientologen, Bezirksvorsteher gegen Autofahrer. Wirklich beängstigend.

25.8. Im Railjet. Auf dem Monitor wird behauptet, es gebe in diesem Zug WLAN. Wer das behauptet, versteht unter WLAN etwas völlig anderes und hat jedenfalls noch nie versucht, im Railjet einen 70er-Jahre-Seidenfoulard mit einem Kampfhundkopf, aus dem Rosen sprießen, zu ersteigern. Mein Gebot wird schon sechs Minuten und 23 Sekunden nach Ende der Versteigerung angezeigt. Traurig. So ein schönes Tuch. Und vor dem Fenster der Herbst.


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