Menschen

Killer von Wien

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 35/13 vom 28.08.2013

Julie Wardh reist mit ihrem Mann Neil nach Österreich, weil er dort einige Geschäfte zu erledigen hat. Dort trifft sie nicht nur ihre alte Freundin Carol wieder, sondern auch ihren verhassten Exliebhaber Jean. Bei einer Party von Carol lernt sie aber George kennen, der ihr neuen Halt bietet und mit dem sie eine Affäre eingeht. Ihr Leben ist aber gefährdet durch einen gerade in Wien umhergehenden Serienkiller, der hübsche Frauen mit einem Rasiermesser tötet. Steckt eventuell Jean dahinter, der sie noch immer begehrt?“ Mit diesem ungewohnt reißerischen Text macht das Gartenbaukino auf seine Rückkehr aus der Sommerpause aufmerksam - und auf das Filmweekend "Giallo“. Das ist Italienisch, bedeutet "gelb“, steht für Schund mit Kultcharakter. Der Film mit eingangs beschriebener Handlung aus dem Jahr 1971 heißt "Der Killer von Wien“ (im Originaltitel hat Wien nichts verloren: "Lo strano vizio della Signora Wardh“), ist von Sergio Martino und wird am Freitag im Gartenbau gezeigt. Angeblich sieht man die Kärntner Straße, wie sie vor der Fußgängerzone ausgesehen hat. Allein deshalb schon interessant.

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Ach ja, apropos Kino und Gartenbau: Viennale ist ja auch schon bald wieder. Hans Hurch, Direktor des Wiener Filmfestivals, stellte bei einem Presseanlass im Volksgarten Pavillon (der demnächst übrigens die ersten 20 Jahre in seinem jetzigen Coolzustand feiert) Programmhochlichter und das heurige Plakatsujet vor. Worauf wir uns schon sehr freuen: auf die Würdigung von Jerry Lewis. "Für die einen ist das Schwachsinn, für die anderen pures Kino“, sagte Hurch. Und dass Mr. Lewis, 87, zur Retrospektive leider nicht nach Wien kommen wird. Ach, wie schade. Aber die Reise wäre für den Herrn leider zu beschwerlich. Wer als Stargast heuer mit dabei sein wird, wurde aber auch noch nicht verraten.

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Was war noch? "The Wall“ war, die Show von Pink Floyds Roger Waters im Ernst-Happel-Stadion. Alles paletti, aber jetzt gibt’s offenbar Ärger. Das Publikum fand es nicht schön, dass es im Stadion so hell während der Veranstaltung war. Notbeleuchtung muss anbleiben, hieß es. Und der Veranstalter bedauerte: "Die Beleuchtungsapparate sind aufgrund ihrer technischen Beschaffenheit leider nicht dimmbar, also in ihrer Helligkeit nicht veränderbar.“ Hoffentlich kommen die Apparate nicht bei der Viennale zum Einsatz. Und wer nicht bei der Mauerschau war, aber den Bus benutzen wollte, ärgerte sich auch: Der 77A machte einen Umweg, damit die Massen die U-Bahn nehmen. Aber sonst, sagen alle, war es superschön. Wie in den Achtzigern.

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In den Achtzigern ist man nach dem Pink-Floyd-Konzert auch immer noch ins Café Drechsler gegangen. Weil das Marktlokal schon so früh aufsperrte und sich Bsuffernetteln, Nachtschwärmer und Marktstandler so wunderbar vermischten. Das Drechsler ist mittlerweile chic, Tag- und Nachtcafé und macht ab 3. September nicht mehr um drei Uhr früh (wieder) auf, sondern erst um acht. Wegen des Tabakgesetzes, sagt Betreiber und Drechsler-Cafetier Manfred Stallmajer. Weil: Es gibt keinen Raucherbereich mehr, und Nachteulen sind gerne mal Raucher. Mal sehen, ob das durchgeht.

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Und im Museumsquartier geht diese Woche auch der Sommer zu Ende - zumindest das Lesefest O-Töne biegt mit Thomas Glavinic in die Zielgerade ein (siehe Seite 38). Diesen Donnerstag, 20.30 Uhr, Haupthof. Letzte Chance für alle, die alles verpasst haben. Zum Beispiel Doris Knecht oder David Schalko.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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