Kommentar  

Auf Wiens Straßenstrich tobt der Preiskampf

Prostitution in Wien

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Wenn sie einmal krank sind, können sie nicht zu Hause bleiben, wenn sie arbeitslos sind, haben sie kein Geld, wenn sie alt sind, können sie nicht in den verdienten Ruhestand gehen: die rund 3200 registrierten Prostituierten der Stadt.

Seit dem EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens ist das Geschäft härter geworden: Mehr als 2000 der Frauen kommen aus Rumänien, der Rest aus Bulgarien, Ungarn und Polen. Nur an die 100 Österreicherinnen verdingen sich auf dem Strich. Die Frauen unterbieten einander: Noch nie war käuflicher Sex so billig, noch nie waren Körper so wenig wert - für 15 bis 20 Euro ist Verkehr am Straßenstrich zu haben, für einen Blowjob zahlt man gerade einmal zehn Euro. Das neue Prostitutionsgesetz, das vor zwei Jahren beschlossen wurde und das die Situation der Frauen eigentlich hätte verbessern sollen, tut sein Übriges. Es drängt die Frauen in finstere Winkel, an den Rand von Schnellstraßen, wo sie weder auf die Toilette gehen noch ihre Kundschaft bedienen können. Nach Angaben der Polizei sind die Fälle von Raub, Vergewaltigung und Gewalt an Prostituierten seither angestiegen. Zu unsicher sind Prater, Brünner Straße und Auhof. Und mit der Eröffnung des neuen WU-Campus im Prater verlieren die Frauen jetzt einen weiteren Standplatz. Die rot-grüne Stadtregierung hatte einst versprochen, mit der Einführung des Gesetzes für sichere Zonen zu sorgen - passiert ist seit zwei Jahren nichts. Immer noch stehen die Mädchen bei der Autobahnauffahrt und am Straßenrand, und sie werden immer jünger: kaum eine, deren Geburtsjahr vor 1994 liegt. Wann wird Prostitution endlich ein geregelter Job mit einem Mindestlohn, sprich Arbeitslosen- und Krankengeld sowie Pension?


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