Am Apparat  

Herr Fuchs, warum hört man nix von der Piratenpartei?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Nur 15.000 Euro haben die Piraten für den Wahlkampf zur Verfügung. Was man mit so wenig Geld machen kann, erklärt Franz Fuchs, Kampagnenleiter der Piratenpartei.

Ihr Wahlkampfbudget beträgt 15.000 Euro. Was wollen Sie denn damit tun?

Eine ganze Menge. Uns Piraten fehlt nicht unbedingt das Geld, sondern die Zeit. Das Problem ist, dass wir alle einen Brotjob haben und keine Funktionäre bezahlen können, also fehlt uns in erster Linie die Zeit.

Okay, aber mit 15.000 Euro können Sie ein großes Inserat in einer Tageszeitung schalten. Das war’s dann schon.

Genau. So kostspielige Sachen können wir uns nicht leisten. Auch eine Onlinewerbekampagne ist leider nicht drin. Unser Geld fließt in Sticker und Flyer, die wir verteilen.

Und wie wollen Sie dann in den Mainstream vordringen?

Wir haben einige Mitglieder, die onlineaffin sind und auch ohne Werbeagentur gute Ideen haben. Außerdem ist die Marke Piratenpartei bekannt. Wir müssen nicht bei null anfangen.

Apropos Marke: Wieso hört man von den Piraten so wenig zum ungeheuren globalen Abhörskandal?

Ich glaube nicht, dass man von uns so wenig hört, vielleicht werden wir zu wenig gehört. Das hat auch damit zu tun, dass Netzpolitik ein relativ undankbares Wahlkampfthema ist. Große Fragen wie Steuern, Pensionen, Arbeit betreffen jeden persönlich und sind leicht darstellbar. Wenn man aber sagt, 75 Prozent des weltweiten Internetverkehrs werden vom Geheimdienst NSA belauscht, können sich viele nix darunter vorstellen.

Das heißt, selbst für Sie als Piratenpartei ist Netzpolitik nicht so der Bringer?

Nein, das war eher die Marketingsicht. Natürlich bleiben wir dran und müssen uns auch selbst am Krawattl nehmen. Ich weiß, wir sind ein bisschen spät dran mit Wahlkampf, aber ich verspreche, es kommt noch was.


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