Die Stadt Wien braucht neue Lehrer, aber sie will sie nicht

Politik | Bericht: Ruth Eisenreich | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Lehramtsstudenten, die schon vor dem Uniabschluss an Schulen eingestellt werden, Exlehrer, die zum Unterrichten aus der Pension zurückgeholt werden: Immer wieder war im letzten Schuljahr vom Lehrermangel die Rede. Doch als ein Wiener vergangene Woche beim Stadtschulrat vorstellig wurde, um sich als AHS-Lehrer zu bewerben, wurde er abgewiesen: Bewerbungen seien nur im April und Mai des Jahres möglich gewesen.

Eine eigenartige Antwort - sollte die Stadt nicht über jeden qualifizierten und willigen Lehrer froh sein? Einem im Juli erschienenen Rechnungshofbericht zufolge werden in Wien im demnächst beginnenden Schuljahr 743 Bundeslehrer - also Lehrer an Gymnasien und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen - fehlen. Beim Wiener Stadtschulrat und im Unterrichtsministerium bestreitet man den Lehrermangel allerdings vehement: Wie viele Lehrer genau gebraucht würden, werde erst nach den Nachprüfungen Anfang September feststehen, heißt es. Und in einer Aussendung Ende August erläuterte Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl die Behauptung, es gebe keinen Lehrermangel, damit, dass im kommenden Jahr "mit einer deutlich geringeren Zahl an eingesetzten Studenten zu rechnen“ sei.

Abgesehen davon seien Bewerbungen als Bundeslehrer sehr wohl jederzeit möglich, sagen die Sprecher von Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (beide SPÖ) einstimmig. Jene Lehrer, die sich innerhalb der offiziellen Frist beworben haben, hätten einfach nur Vorrang bei der Stellenbesetzung.

Auf der Bewerbungswebsite des Wiener Stadtschulrats klingt das allerdings ganz anders. Unter "Bewerbung für eine Anstellung als Lehrerin oder als Lehrer an einer mittleren oder höheren Schule“ heißt es da: "Die Bewerbungsfrist für das Schuljahr 2013/14 ist mit 27. April bis 13. Mai 2013 festgesetzt. Bewerbungen, die außerhalb der Bewerbungsfrist einlangen, gelten per Gesetz als nicht eingebracht und können daher nicht berücksichtigt werden.“


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