Wieder gelesen  Bücher, entstaubt

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Die Zeit der ehrlosen Freunde

Quintus Tullius Cicero lebte von 102 bis 43 v. Chr. und war der kleine Bruder des Mannes, der als Cicero ins Pantheon der Weltgeschichte einzog. Cicero, also der große, war Anwalt, Schriftsteller, Philosoph und auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere Konsul von Rom; was für einen Emporkömmling aus dem Ritterstand, einen Homo novus, eine sehr beachtliche Leistung war.

Der kleine Bruder hatte einen nicht ganz kleinen Anteil an der Karriere des großen; für dessen Wahlkampf ums Konsulamt verfasste ihm der Junior ein paar Tipps, die in Form des Buches "Für einen erfolgreichen Wahlkampf“ aufliegen. Das Werk bietet zahlreiche Ratschläge, die auch heute noch äußerst sinnvoll für Wahlkandidaten erscheinen. Zum Beispiel die Sache mit den Freunden: "Ein Wahlkampf nämlich hat bei allen Ärgerlichkeiten den Vorteil, dass du ohne Ehrverlust mit all den Leuten, mit denen du dies wünscht, Freundschaften schließen kannst, was du im übrigen Leben nicht kannst“, weil im Normalfall solche "Freunde“ als Zeichen schlechten Geschmacks erschienen. Einem Wahlkämpfer, so die Essenz des Büchleins, erschließt sich eine neue Welt von Regeln und Werten, über die man als Außenstehender leicht die Nase rümpfen kann, die aber eine Conditio sine qua non für den Wahlsieg darstellen.

Quintus Tullius Cicero: Tipps für einen erfolgreichen Wahlkampf. Reclam, 93 S., € 7,20


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