Nachgetragen  

"Die Grünen sind im Boulevard die Dummen, wir bei den Wählern“

Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Der Konflikt um die "Begegnungszone“ in der Mariahilfer Straße hat eine neue Phase erreicht. In den ersten Tagen des Projekts beschäftigte Bürger und Medien vor allem die Frage, ob auf der Straße zwischen Museumsquartier und Westbahnhof nun "Chaos“ herrsche - oder eben doch nicht (siehe auch Seite 40).

Nicht dass diese Frage mittlerweile letztgültig beantwortet wäre, aber die mediale (und teilweise zutiefst boulevardeske) Darstellung des angeblichen Chaos erzeugte nun tatsächliches Chaos, und zwar politisches. Scheinbar haben nun die Wiener Grünen das Bummerl; die "neue“ Mariahilfer Straße ist ein grünes Prestigeprojekt und folgerichtig macht der Boulevard auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou für das Durcheinander auf der Einkaufsmeile verantwortlich.

Eine der größten Hürden für Vassilakou und die Begegnungszone sind die Busfahrer der Wiener Linien, denen die Fahrt auf der (extra für sie) roten markierten Spur zu unsicher ist.

Die Grünen verleitet dieser Busfahrer-Widerwillen dazu, Verschwörungstheorien zu verbreiten; so schrieb etwa der grüne Klubobmann David Ellensohn im Onlinedienst Twitter über den "Hintergrund“ des Problems: "2014 Personalvertretungswahlen bei Wr. Linien. Busfahrer rot-blau 50:50. Darum ‚können‘ die nicht fahren.“ Wie Ellensohn auf solche Zahlen kommt, konnte er auf Nachfrage nicht erklären; die roten Personalvertreter halten bei den Wiener Linien jedenfalls im Schnitt fast eine Zweidrittelmehrheit, die freiheitlichen liegen bei weniger als 20 Prozent.

Solche Fouls geben Auskunft über die Stimmung im Rathaus. Telefoniert man mit Wiener SPÖ-Politikern, hört man folgende Geschichte: "Die Grünen sind zwar im Boulevard die Dummen, aber wir sind es bei den Wählern.“ Erklärung: "Die Grünen-Anhänger stehen ohnehin hinter dem Projekt, wir werden aber vor allem in den Außenbezirken immer aggressiver angegangen, warum wir uns von der Vassilakou und ihren rasenden Radfahr-Rowdys pflanzen lassen.“


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