Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Pop

Nine Inch Nails:

Hesitation Marks

Stets wird man Trent Reznor an "The Downward Spiral“ messen. Fans sind bis heute beleidigt, wenn er lieber experimentelle Platten oder Soundtracks macht, statt ihnen seinen alten Weltschmerz noch einmal aufzuwärmen. Auch "Hesitation Marks“, wiewohl sehr eingängig, werden viele ablehnen, da es eine Anti-"Downward Spiral“ ist. Über weite Strecken bleibt Reznor ruhig, Lärmausbrüche sind selten. Der gekonnt umgesetzte elektronische Sound und der zurückgenommene Gesang stehen den Songs ausgesprochen gut. Da hat sich jemand freigeschwommen. (Universal) sf

Jazz

Helge Schneider:

Sommer Sonne Kaktus

Die einen regen sich auf, dass der Sommerhit "Sommer Sonne Kaktus“ unter der Würde des Meisters sei. Aber wenn die Kinder auf dem Rücksitz immer wieder die CD verlangen und "Ka-ka-kaktus!“ rufen, hat er etwas richtig gemacht. Außerdem legt das Titelstück die Latte nur sehr tief - und die folgenden, melancholischen Stücke zwischen Jazz, Blues und Standards können so umso heller strahlen. Höhepunkt: Helges famos anstrengungsloser "Mr. Bojangles“, der den Song nach Jahrzehnten schlechter Rat-Pack-Darsteller wieder erträglich macht. (Universal) sf

Klassik

Nina Proll/Trio de Salón:

Lieder eines armen Mädchens

Die dritte CD der Schauspielerin Nina Proll, die sich einst auch im Popfach versuchte, ist benannt nach einem Liederzyklus von Friedrich Hollaender aus den 1920er-Jahren. Zu hören sind 19 Lieder vertriebener Komponisten, die in den USA Karriere machten: Hollaender, Hanns Eisler, Kurt Weill. Nina Proll findet für diese Musik ihre eigene, ganz persönliche Sprache und schafft stimmungsvolle, intime und unmittelbare Miniaturen, die das Leben besingen - mal skurril, mal düster, mal heiter, mal komisch. mda

Live: 7.9., Casa Nova


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