Nüchtern betrachtet 

Meine slawische Seele wird nicht sehr gefördert

Feuilleton | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

In letzter Zeit musste ich bei mir unbekannten Personen leider eine erhöhte Geneigtheit feststellen, mich zu bestehlen. Obwohl manche Leute Diebstahl als quasilegitime Form der Umverteilung betrachten, solange es a) wohlhabende Menschen, aber b) nicht sie selbst betrifft, kann ich mich dieser Auffassung nicht anschließen, weil b) auf mich nicht zutrifft. Ich selbst bin nun einmal ich selbst, und wenn man mir mein funkelnagelneues Fahrrad aus dem Hof klaut, finde ich das nicht sehr witzig. Als definitiv unlustig empfinde ich es, wenn mir im Urlaub die Tasche gestohlen wird, in der sich neben Sonnenbrille, Vogelbeobachtungsfernsichtglas und anderem teurem Schnickschnack auch noch mein Reisepass befindet.

Die Entwendung meiner Umhängetasche ist nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch gemein, denn ich hatte das Reiseziel aus selbsterzieherischen Gründen gewählt: "Sei nicht fad“, hatte ich mir


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