Ins Mark  

Was kostet das Wasserkraftwerk?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Das umstrittene Mur-Wasserkraftwerk in Graz hat vom Bundesumweltsenat grünes Licht bekommen. Die Energie Steiermark und Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) frohlocken. Sie sprechen von einem neuen Lebensraum an der Mur, auch von einer Wiederaufnahme der Murschifffahrt ist die Rede. Ganz anders naturgemäß die Kraftwerksgegner, zu denen auch mehrere Uniprofessoren zählen, sowie die Umweltanwältin, die seit Jahren gegen das Kraftwerk kämpfen. Haben sie sich geirrt?

So einfach ist es nicht: Auch in der Umweltverträglichkeitsprüfung wird festgestellt, dass sich der biologische Zustand des Grazer Murabschnitts verschlechtern wird. Fische, besonders solche, die die Strömung lieben, und Kleintiere verlieren an Lebensraum. Huchen und geschützter Würfelnatter wird Leben und Laichen erschwert. Doch die Behörden sahen ein übergeordnetes öffentliches Interesse, soll doch das Kraftwerk 20.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen. Das stehe in keiner Relation zum Schaden für die Natur, kritisieren Umweltschützer. Die geschützten Würfelnattern sollen nun, neben anderen Ausgleichsmaßnahmen, aufgeklaubt und umgesiedelt werden. Unmöglich, meint die Umweltanwältin, die nach wie vor einen Verstoß gegen das Tötungsverbot ortet.

Doch die Kraftwerksbefürworter sind im Recht, so sieht es der Umweltsenat. Die Umweltschützer geben sich noch nicht geschlagen und prüfen den Gang zum Höchstgericht - doch der Bau des Kraftwerks scheint so gut wie fix. Bis man tatsächlich weiß, welchen Preis die Natur für das öffentliche Interesse zu zahlen hat, wird aber wohl noch viel Wasser die Mur hinunterfließen.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige