Logbuch

Und genau so ist es bei uns nicht

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Doris Knecht will ihre weibliche Autonomie zurück

31.8. Zurück in der Stadt. Viele Menschen. Viele Autos. Sehr laut. Ich vernehme, dass der Dompfarrer Faber spätnachts das Anzengruber gesegnet hat. Okeee … Es geht also wieder los. Das Beste am Herbst: Man muss nicht mehr zweimal am Tag kochen. Dafür muss man Klavier- und Gitarrelehrer finden, was man sich ganz einfach vorgestellt hat. Ist es aber nicht. Man ist nun endgültig weichgebeidelt, nachdem das eine Mimi seit zwei Jahren um Klavierstunden bettelt. Es übt auch tatsächlich täglich auf dem Keyboard, das es sich zu Weihnachten gewünscht hat, kleine Etüden, die ihm Freundinnen beigebracht haben, deren Eltern ihnen nicht die Klavierstunden verweigern. So macht man das. Die Kinder nicht zum Instrument zwingen, sondern es ihnen verbieten. Dann geht das quasi von selber. Den Plan, dass der Lange, der das eigentlich kann, mit dem anderen Mimi ein bisschen auf der E-Gitarre jammt und ihm so quasi nebenbei die paar zur Bandgründung notwendigen Griffe beibringt, hat man aufgegeben.

Es gibt so viele schöne Youtube-Videos, auf denen man glückliche Väter mit ihren strahlenden Kleinen gemeinsam Stones-, Beatles- und Strokes-Songs auf der Gitarre schrammeln sieht. Kennen Sie das, wo der Zweijährige mit seinem Vater "Don’t Let Me Down“ singt? Herzerwärmend. Ganz wunderbar. Genau so ist es bei uns nicht. Bei uns kann ich nach jeweils fünf bis zehn Minuten ein hysterisch heulendes Kind vom Boden des Klos kratzen, in dem es sich eingesperrt hat, weil der Papa wieder so gemein war.

Ich habe dem Mimi jetzt verboten, mit dem Langen Gitarre zu spielen, es ist zu nervenzerreißend für die ganze Familie. Zugegeben, damals, wie ich mit den Mimis noch Flöte geübt habe, war’s auch nicht besser. Brüll, Heul, Türenknallen und Instrumente, die auf eine Weise abgelegt werden, die ihrer Vollständigkeit nicht zuträglich ist. Pädagogen sind wir eher keine. Gut, dass Maria Theresia die Schulpflicht eingeführt hat, sonst könnten die Mimis bis heute nicht zwei und zwei zusammenzählen.

1.9. Gut, dass Maria Theresia die Schulpflicht eingeführt hat, sonst geschähe hier demnächst eine Straftat. Ich sehe Mütter auf Facebook bittere Tränen darüber vergießen, dass die Schule schon wieder anfängt. Also … Ich meine. Echt jetzt?? Zwei Monate ununterbrochen mit den Mimis und dem Langen in einem Haus, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche … Es war sehr schön, es ist nun genug. Soll sich jetzt bitte endlich wer anderer um sie kümmern, ich muss jetzt wieder auf meinem Recht auf weibliche Autonomie bestehen.

2.9. Die Mimis in der Schule: gottlob. Was jetzt noch fehlt: ein Filter, der mir bei Ebay alle Nuttenschuhe wegfiltert, wenn ich "Stiefel“ eingebe. Und alles, bei dem "Stopp! Weltweit einzigartig“ steht, sowie alles, das nach SM aussieht. Oder einfach ein Button "gut erhaltene gebrauchte Designerware“. Und ja, Wurmdobler, das Logbuch kommt eh gleich.


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