Menschen

Büsten & Halter

Falters Zoo | Karin Wasner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Man hasst oder man liebt sie. Hat man sich für Zweiteres entschieden und möglicherweise auch Begleitung gefunden, die von dem oft vernommenen Satz "Ich hasse die Ärzte“ inhaltlich Abstand nimmt, ist ein Ärzte-Konzert wie vergangene Woche im schönen Wiesen ein durchaus abendfüllendes Gaudium. Volle drei Stunden rocken sich die Berliner durch ihr fast 30 Jahre umspannendes Repertoire, während Büstenhalter in Übergröße auf die Bühne fliegen, das Publikum nonstop mitgrölt oder die Welle macht. Mit Herzen für Bela B., mit Stinkefinger für Farin Urlaub. Ein Mädchen mit blanken Brüsten drängt sich unermüdlich vorbei, um sich stetig crowdsurfend der Bühne zu nähern. Herr Farin tanzt Moonwalk, schmettert "La Bamba“ und auf insistierenden Publikumswunsch "Anneliese Schmidt“. Nonstopkasperltheaterspaß. Lässig-cool ist das nicht, macht aber Laune. Ebenso improvisiert und lange nicht live gehört gibt es "Geschwisterliebe“, ein Freudenfest für alle, die damals in den 1990ern bei Malibu-Orange zu "Schrei nach Liebe“ auf Kellerpartys knutschten und auf für die Stadeldisco plastikumhüllten Bierbänken mit Raiffeisen-Logo zu "Zu spät“ auf und ab hüpften. Dafür ist es eigentlich nie zu spät.

Von den Ärzten der Herzen zur Prinzessin der Herzen, like a Hendl in the Wind: Lady Diana, die in den 1980ern einmal Wien einen Besuch abgestattet hat, bekam nun im Garten von Schloss Cobenzl ein Denkmal. Enthüllt hat am Sonntag die Büste aus Marmor, geschaffen vom Künstler Wolfgang Karnutsch, Dagmar Koller, ehemals First Lady von Wien. Zu Ehrengast war aber auch Robert Morten, in seinem früheren Leben Koch im englischen Königshaus. So viel Royalität aber auch!

Zuvor waren alle Royals-Fans aber noch bei der Streetparade auf dem Ring und natürlich beim Gürtel Nightwalk. Der Gürtelspaziergang, zu dem die bezirksnahen Gemeinderäte Heinz Vettermann und Kurt Stürzenbecher sowie die SPÖ-Nationalratskandidatin Nurten Yilmaz alljährlich einladen, brachte tausende auf die Straße. Begonnen hat das Spektakel aber mit spektakulärer Aussicht auf dem Dach der Stadtbibliothek mit Mäusen Tex Rubinowitz, Gerhard Potuznik und - als Gastmäuse - Didi Kern und Philipp Quehenberger.

"Wissen macht gesund“ kann man auf einer Bim lesen, die vergangene Woche der tanzende Boxstar Biko Botowamungu mit seiner "Dancing Stars“-Tanzpartnerin Maria Jahn präsentierte. Ganz so einfach ist es wahrscheinlich nicht, aber Aufklärung ist immer super. Diesmal geht es also um die körperliche und emotionale Gesundheit von Frauen und die bunte Bim mit Porträtfotos von Martin Votava soll auf die Vorsorge aufmerksam machen.

Ach, und dann feierten auch noch die Geschwister Barbara und Andreas Böhm die letzten 20 Jahre Volksgarten Pavillon. Dazu muss man wissen, dass die beiden Gastronomiesprösslinge am Bild des neuen Fortgeh-Wien nicht ganz unbeteiligt waren. Im Sommer bis weit nach Mitternacht draußen sitzen und feiern? War vor 20 Jahren komplett neu. Elegante 1950er-Jahre-Architektur nicht einfach abmontieren, sondern würdigen? Wie’s gemacht wird, haben damals Gregor Eichinger und Christian Knechtl beim Oswald-Haerdtl-Pavillon wunderbar gezeigt. Jetzt dankten die Böhms jenen, die den Pavillon bespielt haben - mit H.A.P.P.Y, Techno-Café oder Konzerten; zum Beispiel von Jimi Tenor oder Attwenger. Nett, wenn auch was zurückkommt. Auf weitere 20 laue Sommer im Freien! Und die Tischlämpchen bitte immer brennen lassen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige