STEIERMARK

Die Armee der Finsternis

Der Kunstverein Esc zieht um und befasst sich mit der Auswirkung digitaler Technologien auf die Gesellschaft

DONJA NOORMOFIDI | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Die neue Unterkunft des Kunstvereins Esc im Palais Trauttmansdorff ist hell und durchlässig, zur Straße hin umgeben den Raum große Glasscheiben. "Wir machen praktisch Kunst im öffentlichen Raum und sind weiter ins Zentrum gerückt", sagt Ilse Weber von Esc. Dabei war die Herbergssuche nicht so einfach. Der Kunstverein musste aus der Jakoministraße ausziehen, da das Gebäude verkauft werden soll. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft waren einige Räume zu teuer oder zu niedrig. Schließlich fand Esc die neue Bleibe im Palais, die dank der kunstfreundlichen Stiftung, der der Raum gehört, auch leistbar war. Am Donnerstag werden die neuen Räumlichkeiten eröffnet.

Aus diesem Anlass werden drei Installationen als Vorgeschmack auf den steirischen herbst gezeigt, in dessen Rahmen bei Esc die Ausstellung "I share, therefore I am" zu sehen ist. Dabei geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit digitalen Technologien und sozialen Netzwerken und wie sie sich auf die Gesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen auswirken. "Auf Facebook liked man ein Posting, und das ist dann oft schon das Ende der Auseinandersetzung, man muss seine Meinung nicht mehr definieren", sagt Hofmüller, die selbst nicht bei Facebook ist. Man wolle die Technologie aber nicht bloß kritisieren, "wir wollen mitgestalten".

Ab Donnerstag zu sehen ist die Installation "Army of Darkness" von Wernfried Lackner. Dabei bewegen sich vier Miniroboter autonom durch den Raum, über ihnen zwei E-Gitarren und zwei E-Bässe, welche die Roboter durch ihre Bewegung im Raum zum Klingen bringen. "Das ist einerseits total schön, aber auch unheimlich, denn man kann die Roboter nicht so einfach stoppen", erklärt Hofmüller. "Die Roboter werden programmiert und handeln dann autonom, wie zum Beispiel auch bestimmte Waffen."

In eine Fensterscheibe des neuen Esc sind Längsstreifen eingeätzt. Diesen Umstand nutzt die US-amerikanische Künstlerin Diane Ludin für eine Arbeit. Sie wird aus den Längsstreifen den Barcode der ersten US-Patentierung auf eine Pflanze (eine Rose) formen. "Dabei geht es um die Privatisierung von Wissen und auch von Pflanzen", erklärt Hofmüller.

Zur Eröffnung am Donnerstag spielen zudem befreundete Musiker und DJs. Eines soll sich auch am neuen Standort nicht ändern, sind sich Hofmüller und Weber einig: Die Esc soll ein Labor sein, wo Arbeiten auch vor Ort produziert werden, zudem ein Begegnungsort, wo man sich face to face gegenübersteht und nicht bloß über das soziale Netzwerk. Like!

Esc Medien Kunst Labor, Palais Trauttmansdorff, Bürgergasse 5, Graz, Do 19.00


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