"Bei uns wird niemand nass"

Die israelische Performergruppe Mayumana kommt zum ersten Mal nach Wien

INTERVIEW: SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 36/13 vom 04.09.2013

Trommelshows mit akrobatischen Einlagen gibt es schon zur Genüge. Ein, zwei Schritte weiter geht die israelische Gruppe Mayumana, der 100 Performer aus über 20 Ländern angehören. Hier tanzt der Schlagzeuger, der Beatboxer schauspielert, ein Sänger wird zum Akrobaten. Mit "Momentum" gastiert Mayumana nun erstmals in Wien. Der Falter sah die flotte Show in Tel Aviv und sprach mit der Mitbegründerin Eylon Nuphar.

Falter: Ihr Theater steht in Tel Aviv. Was verbindet Sie mit diesem Platz und generell mit Israel?

Eylon Nuphar: Das Haus ist unsere Kommandozentrale, die Gegend rundherum sehr offen -hier haben sich die unterschiedlichsten Glaubensgemeinschaften angesiedelt. Dass wir aus Israel kommen, ist für uns nicht so wichtig. Deine nationale Zugehörigkeit ist wie deine Familie. Du kannst sie dir nicht aussuchen und hast gewisse Vorgaben, aber du musst selbst etwas daraus machen.

Etwas pathetisch formuliert wäre das in Ihrem Fall: Kreativität ohne Grenzen.

Nuphar: Richtig. Uns geht es ganz unpolitisch um das Ausleben von Kreativität. Wir sind eine sehr bunte Truppe mit Leuten aus den verschiedensten Winkeln der Erde. Sergio, der Star von "Momentum", zum Beispiel stammt aus CuraÇao.

Wie entdecken Sie die Leute?

Nuphar: Wir halten laufend Auditions ab und suchen auch auf unseren Tourneen aktiv nach Talenten. Sergio bin ich auf der Straße nachgelaufen. Er war nicht überrascht, denn ihm rennen ständig Frauen hinterher. Er ist an sich Musiker, das Tanzen hat er bei uns gelernt. Überhaupt geben wir den Leuten viel Raum, um verschiedene Talente zu entwickeln. Bei Mayumana macht jeder alles, das ist eine unserer Stärken.

Schwierig, oder?

Nuphar: Bis zu einem gewissen Grad kann jeder singen, ein Instrument spielen, tanzen und ein bisschen schauspielern lernen. Unsere Mission ist es, Performer mit Potenzial zu entdecken, die sich bei uns weiterentwickeln. Wir können eine gute Schule für sie sein.

Ein bisschen wirkt Mayumana wie ein Familienbetrieb.

Nuphar: Ich weiß nicht, ob mir das gefällt, denn dann wäre ich die Mutter! In gewisser Hinsicht stimmt es aber. Manche Ensemblemitglieder sind inzwischen Pärchen geworden und ziehen schon Mayumana-Kinder groß.

"Momentum" dreht sich um Zeit und Vergänglichkeit. Warum braucht es bei Tanz-und Trommelshows eigentlich ein Überthema?

Nuphar: Tut es gar nicht. Das ist unsere fünfte Show und die erste, die erzählerische Elemente hat. Das Thema Zeit dient nur als Rahmen für unsere Ideen. Wir wollen keine großen philosophischen Einsichten vermitteln.

Sie beziehen das Publikum stark in die Show ein. Funktioniert das überall so gut wie hier in Tel Aviv?

Nuphar: Interessanterweise hatten wir noch nie das Problem, dass niemand mitmachen will. Wir zwingen auch niemanden dazu, etwas zu tun. Wir machen ein zwangloses Angebot, ein bisschen mitzuspielen. Speziell in Spanien flippen die Leute total aus. Das Publikum in Österreich soll eher reserviert sein, habe ich gehört. Aber es wird schon klappen. Bei uns wird auch niemand nass oder mit Gegenständen beworfen, versprochen!

Wenn man bei Mayumana einen Schwerpunkt ausmachen will, dann sind das Sounds und Musik. Die Tänzer lösen mit ihren Bewegungen Geräusche aus und fungieren auch als Band.

Nuphar: Boaz Berman, der zweite Gründe von Mayumana, und ich kommen beide von der Musik. Er war der beste Percussionist Israels, ich wurde seine Schülerin. Heute ist Live-Sampling ein großer Bestandteil der Show. Hinter der Bühne steht ein Computer, wo die vom Publikum gemachten Geräusche gleich verarbeitet und zu Loops geschnitten werden. Wir sind ein verspielter Haufen, aber auch technisch sehr interessiert. Und die Musik ist die Basis von allem.

Hand aufs Herz: Gibt es nicht schon zu viele Tanz-und Percussionshows?

Nuphar: Es gibt Shows, die mir besser gefallen, andere weniger. Die meisten sind jedoch sehr spezifisch. Wir berühren viel mehr Felder und sind farbenfroher. Ich sehe da keine Konkurrenz.

Wie viel Improvisation ist dabei?

Nuphar: Null. Die Abläufe müssen sekundengenau eingehalten werden. Wenn Fehler passieren, wird es für die Performer gefährlich. Die Folgen sind Stürze vom Gerüst oder Ähnliches. Aber bisher gab es zum Glück nur ein paar leichte Verletzungen.

Museumsquartier, Halle E, 10. bis 15.9.


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