Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Es macht den Eindruck, als wären am ersten echten Herbstmontag des Jahres spontan Herbstferien ausgerufen worden. Kaum wird’s kalt, geht’s dem Redakteur nass hinten rein. Florian Klenk macht bei der Sitzung ein betrübtes Gesicht, murmelt ein "Wir sind zu zweit“ und verzichtet auf anekdotische Ausflüge aller Art. Später wird er sehr kollegial Essenseinholungsangebote aussprechen, vom Supermarkt Salzstangen mitbringen und vergeblich versuchen, ein Päckchen Zigaretten, das er in einer Lade gefunden hat, an den Herrn oder die Dame zu bringen. Allem Anschein nach gibt es in der Redaktion keine Raucher oder keine Menschen mehr, die sich als Raucher zu erkennen geben. Klenk ist deprimiert ob der neuen Enthaltsamkeit und beschließt spontan, Kettenraucher zu werden.

Ganz generell sind die verbliebenen Redakteure mental nicht im allerbesten Zustand. Christopher Wurmdobler etwa macht ein Gesicht wie 14 Tage Volksmusik und beginnt in konvulsivisch crescendierendem Stakkato mit "verf-“ oder "versch-“ beginnende Phrasen zu artikulieren, die man bislang ganz gewiss nicht im aktiven Wortschatz dieses notorisch sanftmütigen Mannes vermutet hätte. Wurmdobler laboriert sichtlich am MFS (Mariahilfer Straßen Fatigue Syndrome). Vermutlich hat er bei seinen dutzendfachen Recherchegängen auf den Mundschutz verzichtet und den Abrieb der tourettevirusverseuchten Busspurbeschichtung eingeatmet. Und Wolfgang Kralicek hat er auch schon angesteckt: "Die verf***te Aufmachergeschichte wär fertig!“ Es ist schon spät. Und fertig sind wir alle.

KLAUS NÜCHTERN


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