Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Grüne Mamba

aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

An Derbheit fehlte es dieser Ausgabe nicht. Schlägt man Christian Zillners Porträt des Architekten Luigi Blau auf, der gerade das Ronacher renoviert hatte, stößt man auf folgende Passage: Blau sagt, es komme nicht darauf an, sich an einem Architekturkonzept zu orientieren, sondern an dem, was jeweils richtig sei. Zillner, wie viele damals noch immer erbost über die Tatsache, dass nicht Coop-Himmelb(l)au das Ronacher neu bauen durften, sondern Blau es sanft renovierte, fragt grimmig: "Was ist denn richtig? Dass ein zweitklassiges Gebäude wie das Ronacher um viel Geld renoviert wird?“

"Blau nimmt den Hellmer- und-Fellner-Bau in Schutz: ‚Der Theatersaal hat eine Atmosphäre, die heutige Architekten, und selbst die Weltmeister, nicht mehr zustande bringen.‘ Also gut, und was hat ihm Blau, außer angenehmen Pausenräumen, substantiell Neues hinzugefügt?, Klos. Schöne Klos!‘ Thomas Bernhard würde das wohl sehr begrüßen, schimpft er doch in seinen, Alten Meistern‘ seitenlang über den verheerenden Zustand der Wiener Toiletten. Blau plädiert für sein Werk:, Es zeugt doch von Kultur, wenn ein Klo ordentlich ausschaut. Heute werden schon Zeitungen, die Essen und Trinken heißen, gedruckt. Ich hätte gern eine, die Brunzen und Scheißen heißt, denn das hat mindestens so viel mit Kultur zu tun wie dieses modische Gourmetgetue.‘ Zumindest am Klo wird man im Ronacher künftig Kultur erleben können.“

Mit seinen publizistischen Wünschen hat sich Blau - man betrachte den Falter - nicht durchgesetzt. Auch sonst gab es Heiteres in dieser Ausgabe des Falter. Die Umweltministerin hieß Maria Rauch-Kallat, und Bernhard Odehnal stellte eine martialische Umfrage an: "Wird Ministerin Rauch-Kallat an der Verpackungsverordnung scheitern?“ Da war von Graf Ali, Tamiflu und Grippemasken noch lange nicht die Rede.

Johann Skocek porträtierte den langhaarigsten und sympathischsten Trainer der Liga, den jungen Didi Constantini, und in Altaussee war eine Grüne Mamba entkommen, auf die aber nicht geschossen wurde, um keine Touristen zu gefährden, versicherten Förster. at


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