Gelesen Bücher, kurz besprochen

Der Stasi auf der Spur

Politik | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Heimlich gelesene Briefe, abgehörte Telefonate, mitgeschnittene Verhöre: Die Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR hat schon viele Autoren zu abenteuerlichen Buchtiteln hinreißen lassen. "Eros und Stasi“, "Die Stasi als Erinnerungsort“, "Im Netz der Stasi“, "Stasi-Kinder“ und "Stasi auf dem Schulhof“ sind nur eine kleine Auswahl davon.

Die DDR mit ihrer Geschichte lässt sich für viele auf das Wort "Spitzelstaat“ reduzieren. Mehr als 5000 Schriften sind bereits über die Überwachungspraxis in Ostdeutschland verfasst worden. Das hat der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk nachgezählt, und trotzdem hat er nicht davor zurückgescheut, einen weiteren Titel über die Stasi zu schreiben. Kowalczuk arbeitet seit Jahren in der Forschungsabteilung der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin. Mit "Stasi konkret“ möchte er sowohl der Verharmlosung als auch der Überbewertung von "Mielkes Männern“ etwas Profundes entgegensetzen - und sorgte dabei für eine kleine Aufregung in Fachkreisen.

Im Kapitel "Tschekisten und Spitzel“ liefert Kowalczuk gute Argumente dafür, dass die Zahl der "inoffiziellen Mitarbeiter“ nur halb so hoch war wie bislang angenommen (nämlich "nur“ 110.000 statt 189.000 Personen).

Das Buch bietet 428 Seiten spannende Lektüre, gerade auch im Rahmen der jüngsten NSA-Erkenntnisse, die zeigen, dass die geheimdienstliche Überwachung der Bürger nicht mit dem Realsozialismus verschwunden ist. Karin Jirku

Ilko-Sascha Kowalczuk: Stasi konkret. Beck, 428 S., € 18,50


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