Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Matthias Dusini

Zahlreichen Mitbürgern gehen die derzeit stattfindenden politischen TV-Duelle gehörig auf den Sack. Alles sei so gekünstelt und geschminkt, mit amerikanischen Wahlkampftrainern einstudiert, sodass der private Mensch hinter seiner medialen Formatierung verschwindet. Was soll man diesen Avataren glauben?! Wie sie sich bewegen, wie sie sprechen - alles Teflon, unnatürlich, pfui!

Ein TV-Fan kann in diese Jeremiade nicht einstimmen. Für ihn sind diese Debatten episches Theater, wie es sich Bert Brecht vorgestellt hat. Gerade die Posen und Floskeln machen dem Publikum den Abstraktionsgrad demokratischer Auseinandersetzungen bewusst. Im TV lassen Individuen ihren Leidenschaften eben keinen freien Lauf, sondern haben eine Rolle. Je formelhafter Faymann & Co agieren, umso verfeinerter ist die Kunst der Repräsentation. Wer die Piranhaseite der direkten Demokratie kennenlernen möchte, kann seinen Finger ja in die sozialen Hetzwerke stecken.


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