Enthusiasmuskolumne  Diesmal: bester Schnittenverwahrungssack der Welt der Woche

Bitte, bitte, noch eine Zitronenschnitte!

Feuilleton | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Wonach sehnt sich der Österreicher im Ausland? Vielleicht nach Leberkäse (Tendenz abnehmend). Möglicherweise nach Hochquellwasser. Sicher nach Mannerschnitten. Die leckeren Neapolitaner gehören ins kulinarische Sehnsuchtsgepäck.

Einen sommerlichen Sonderfall der Mannerschnitte stellt die Zitronenschnitte dar. Sie wollen wir hier preisen! An heißen Tagen schmilzt die feine Zitronencreme weniger schnell als die Haselnuss- oder Schokoladenfülle der klassischen Neapolitaner. Sie erfrischt nicht, aber sie klingelt zitronig am Gaumen. Im kühlen Herbst klingt dort der Sommer nach.

Mag Waffelanfängern der Hell-dunkel-Farbkontrast von Waffel und Haselnussfüllung fehlen, so erfreuen sich Zitronenanhänger gerade am bleichen Ton-in-Ton der fünf hellen Waffelschichten und der vier Schichten weißlicher Zitronencreme. "Fruchtig-frisch“ nennt sie der Hersteller, wir sagen, von angenehmer Zitrussüße.

Dahin die Himbeer-, Mandarinen- und Orangenschnitten vergangener Tage. Allein die Zitronenschnitte erinnert an diese verflossene Fruchtschnittenvielfalt und hält sich in einer erbarmungslosen Mannerwelt voller Vollkornschnitten, Törtchen, Würfel, Cubidoos und Sticks. Wir loben aber nicht nur die Schnitte in den klassischen Dimensionen 17 × 17 × 49 Millimeter, wir loben den 400-Gramm-Sack. Zitronengelb leuchtet er aus dem Supermarktregal, von entschlossenem, aber nicht aufdringlichem Design.

Die Normpackung Mannerschnitten folgt ja dem Prinzip, dass Wohlgeschmack erst durch Verknappung des Angebots entstehe, heißt: In einer Packung sind stets zu wenig Schnitten. Dem Mangel hilft der Sack ab: Schnitten satt! Mehr, als man auf einmal essen kann, deswegen auch der praktische Wiederverschlusskleber. Immer wieder Zitronenschnitte!

armin thurnher


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