Buch der Stunde

Die gefesselte Sehnsucht nach Romantik

Feuilleton | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Die überwiegend weiblichen Massen lieben das Buch, die Literaturkritiker hassen es: die von der britischen Autorin Erika Leonard alias E. L. James verfasste BDSM-Trilogie "Shades of Grey“, die einer der großen Verkaufserfolge der Literaturgeschichte ist (wobei das Akronym für Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism steht). Millionen Leserinnen können sich nicht irren, dachte die israelische Soziologin Eva Illouz und unterzog die Qualitäten des Buchs einer erfrischend unorthodoxen Prüfung. Illouz bürstet den Text gegen den Strich: Das Erfolgsgeheimnis des Buches sei gerade nicht in seinem pornografischen Inhalt zu suchen, sondern in der Art und Weise, wie in der sadomasochistischen Liebesgeschichte des Romans die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in der Spätmoderne mitschwingen.

Während der französische Soziologe Pierre Bourdieu in den komplexen Romanen Flauberts die Feinmechanik sozialer Beziehungen am Werk sah, wagt sich Illouz auf das glitschige


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige