Nüchtern betrachtet 

Ich werde ein Opfer des odessitischen Humors

Feuilleton | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Bekannt sind die Einwohner Odessas für ihre Neigung zu Kopfverletzungen und Marschfrakturen sowie für ihren Humor. Letzteres behauptet jedenfalls mein Reiseführer, und weil das meiste, was in meinem Reiseführer steht, ganz plausibel klang, habe ich ihm auch das abgenommen. Es gibt freilich Momente, in denen man auf den berühmten Humor der Odessiten auch ganz gut verzichten kann. Zum Beispiel wenn einem gerade der Pass gestohlen worden ist.

Der Major auf dem Revier in der Hretska ist allem Anschein nach ein aufgewecktes Kerlchen. Und weil er von uns aufgeweckt wurde, blickt er die drei österreichischen Schneebrunzer, die ihm da mitten im August in seine Schlaf- und Schreibstube hineingeweht wurden, mit der hypnotischen Kraft allen Phlegmas an, das ein paar Jahrhunderte Zarismus und ein paar Jahrzehnte Kommunismus in einen odessitischen Polizeibeamten hineinzusedimentieren vermochten.

Ich kann auf Russisch einen Wodka bestellen, einen Zirkus kaufen und meinen Bruder, den Traktorfahrer,


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