Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Kirschsaft

Japan in Österreich: Mit diesem Saft kann man gut Kirschen essen

Stadtleben | aus FALTER 37/13 vom 11.09.2013

Endlich entdeckt man - und das in einer schicken burgenländischen Vinothek - den Direktsaft von der Kirsche, frei von jeglicher Zugabe von Wasser, Zucker oder sonstigen Fruchtsäften, die als Geschmacksknechte dienen. Dafür musste schon ein eigener Verein gegründet werden, damit die Edelkirsche aus dem Leithagebirge voll zur Geltung kommen kann.

Unter dem Deckmäntelchen Genussregion werden Kirschbaumbesitzer in den Gemeinden Jois, Winden, Breitenbrunn, Purbach und Donnerskirchen aufgefordert, ihre sonst brachliegenden Bäume zu beernten und die an Anthocyanen reichen Früchte an die regionalen Produzenten zu verkaufen. Das Gütesiegel Genussregion ist zwar nicht an strenge Bedingungen geknüpft, versichert wird allerdings, dass geprüft wird - vor allem auf Wurmbefall!

Man mag über die daraus produzierten, hochveredelten Genusswaren unterschiedlicher Meinung sein - da ist von Kirschbrot, Kirschchutney, Kirschbrandwürstel und dergleichen die Rede. Hauptsache die Herzkirsche wird zum Direktsaft verarbeitet. Man will ja nicht herzlos sein, aber man kann doch nicht alles den Vögeln überlassen! Der Leitsatz des Vereins, dass sich jemand um die Landschaft kümmert, ist zwar ein hehrer, Tatsache ist allerdings, dass es auch dem Marketing für den Tourismus dient, was natürlich zu begrüßen ist, aber zwei Paar Schuhe sind. Dieser Saft installiert frei nach Ozu ein spätfrühlingshaftes Gefühl in diese schon fast frühherbstlichen Zeiten. Leithagebirge goes Japan. MS


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